Blei im Trinkwasser?

Alte Wasserrohre können dazu führen, dass zu viel Blei in Ihrem Trinkwasser ist. Wo liegen die Gefahren? Wie kann man sich schützen? Wer untersucht Trinkwasserproben? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wasserglas mit Büchern

Das Wichtigste in Kürze

  1. In Deutschland gilt seit Ende 2013 für Blei im Trinkwasser ein Grenzwert von 0,01 Milligramm pro Liter.
  2. Die ständige Aufnahme von kleineren Mengen Blei kann gefährlich sein – besonders für Schwangere, Ungeborene, Säuglinge und Kleinkinder.
  3. Bleirohre müssen ausgetauscht werden, wenn der Grenzwert nicht eingehalten wird.
Stand: 15.03.2019

In Deutschland darf nicht mehr als 0,01 Milligramm (10 Mikrogramm) Blei in einem Liter Trinkwasser sein. Der Grenzwert wurde zum 1. Dezember 2013 verschärft und ist nur dann einzuhalten, wenn sich keine Bleirohre in einer Hausinstallation befinden. Doch es gibt – auch in Hamburg – noch immer Wohnungen, in denen Wasserrohre aus Blei verlegt sind. Bis in die 1970-er Jahre wurden diese verbaut. Existieren in einem Gebäude noch Bleirohre, ist der Eigentümer verpflichtet, die betroffenen Bewohner darüber zu informieren.

Wenn Sie unsicher sind, ob in Ihrem Haus noch Bleileitungen für die Trinkwasserversorgung genutzt werden, sollten Sie Ihr Leitungswasser testen lassen. Die ständige Aufnahme von kleineren Mengen Blei kann gefährlich sein – besonders für Schwangere, Ungeborene, Säuglinge und Kleinkinder. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Welche Gefahren gehen von Blei im Trinkwasser aus?

Für Menschen ist Blei ein toxisches Schwermetall. Bereits Spuren führen zur Beeinträchtigung der Blutbildung, der Nieren und der Funktion des Nervensystems. Blei wirkt embryotoxisch, es ist also giftig für das Ungeborene, und beeinträchtigt die Intelligenzentwicklung von Säuglingen und Kleinkindern. Blei reichert sich im Organismus an und wird zu 90 Prozent in den Knochen abgelagert.

Wie kann man Bleirohre erkennen?

Falls Teile der Wasserleitungen in der Wohnung sichtbar sind, besteht die Möglichkeit Bleirohre selbst zu erkennen:

  • Bleileitungen lassen sich mit einem Messer, Schlüssel oder einem anderen spitzen Gegenstand gut einritzen oder abschaben.
  • Beim Durchführen eines Klopftestes klingen Bleileitungen dumpf und nicht metallisch.
  • Bleileitungen können in einem Stück gelegt und um Ecken gebogen werden. Dies ist mit Kupferleitungen nahezu unmöglich.

Was tun, wenn der Verdacht auf Bleirohre im eigenen Haushalt besteht?

Wer meint, Blei im Trinkwasser zu haben, sollte sich durch eine Trinkwasseruntersuchung Klarheit über die Belastung verschaffen. Sowohl örtliche Wasserwerke als auch private Labore untersuchen das Wasser auf Spuren von Blei.

Wer untersucht Trinkwasserproben?

Hamburg Wasser
Billhorner Deich 2
20539 Hamburg
Tel. (040) 7888-2222
www.hamburgwasser.de

H2O Analyse
Gleisners Park 3
21456 Reinbek
Tel. (040) 987698
www.h2o-analyse.de

UCL Umwelt Control Labor GmbH
Zweigstelle Hamburg
Peutestraße 51
20539 Hamburg
Tel. (040) 7891550
www.ucl-labor.de

Chemisches Laboratorium Dr. Hermann Ulex Nachf.
Glasmoorstraße 23
22851 Norderstedt
Tel. (040) 32595610
www.ulexlab.de

Wie läuft eine Untersuchung auf Blei im Trinkwasser ab?

In Hamburg bietet Hamburg Wasser die Untersuchung einer Zufallsstichprobe (Wasserprobe ohne vorherige Spülung) an, um grob einen Überblick zur Belastung des Trinkwassers mit Blei zu bekommen. Für Haushalte mit Schwangeren und Kleinkindern bis zu einem Jahr ist der Test unentgeltlich, ansonsten kostet die Untersuchung rund 20 Euro.

Liefert diese erste Probe ein auffälliges Ergebnis, ist eine detaillierte Untersuchung notwendig – eine „gestaffelte Stagnationsprobe”, die bei Hamburg Wasser rund 175 Euro kostet und drei Messungen umfasst:

  • Ablaufprobe S0: Die Probeentnahme nach fünfminütigem Ablaufen spiegelt die bereitgestellte Qualität des Trinkwassers durch den Versorger wider.
  • Stagnationsprobe S1: Die Probeentnahme zwei bis vier Stunden nach der Ablaufprobe ohne weiteren Ablauf von Wasser zwischendurch spiegelt den Einfluss der Entnahmeapparatur, z.B. der Armaturen, auf die Trinkwasserqualität wider.
  • Stagnationsprobe S2: Die Probeentnahme direkt im Anschluss an die Stagnationsprobe spiegelt den Einfluss der Hausinstallation auf die Trinkwasserqualität wider.

Was tun bei erhöhten Bleiwerten?

Sind die Bleiwerte im Trinkwasser zu hoch, sollte der Austausch der Leitungen erste Priorität haben. Ist dies nicht möglich, empfehlen wir bei Werten über 10 Mikrogramm pro Liter folgende Vorsichtsmaßnahmen:

Wasser, das längere Zeit zum Beispiel über Nacht in Leitungen stand nicht zum Essen und Trinken benutzen. Dieses Wasser immer circa 5 Minuten ablaufen lassen oder zum Duschen und Gießen der Blumen benutzen.

Schwangere und Kinder unter einem Jahr sollten vorsichtshalber auf das Wasser aus der Leitung verzichten und vorsorglich geeignetes Flaschenwasser für Säuglinge, Kleinkinder sowie Schwangere und Stillende verwenden. Die Stiftung Warentest nimmt das Angebot regelmäßig unter die Lupe.

Welche Möglichkeiten haben Mieter?

Wird der Grenzwert von 10 Mikrogramm Blei pro Liter überschritten, können Mieter zum Beispiel eine Mietminderung durchsetzen. Bei weiteren Fragen hierzu, helfen die Mietervereine weiter:

Mieterverein zu Hamburg 
von 1890 r.V. 
Beim Strohhause 20
20097 Hamburg
Tel. (040) 87979-0
www.mieterverein-hamburg.de

Mieter helfen Mietern -
Hamburger Mieterverein e.V.
Bartelsstraße 30
20357 Hamburg
Tel. (040) 431394-0
www.mhm-hamburg.de

Was sollte man sonst noch wissen?

Blei kann auch durch Armaturen ins Trinkwasser gelangen. Die Österreichische Testzeitschrift Konsument konnte dies sogar nachweisen: Bleialarm bei Küchenarmaturen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat außerdem im Zubereitungswasser von einigen Espressomaschinen hohe Bleikonzentrationen gemessen. Es wird vermutet, dass das Blei in verunreinigten Bauteilen der Geräte steckt und von säurehaltigen Entkalkungsmitteln gelöst wird: Freisetzung von Blei aus Kaffee- und Espressomaschinen.

Es ist auch möglich, dass aus Bleikristallgläsern in geringen Mengen Blei in die darin aufbewahrten Lebensmittel abgegeben wird. In welchen Konzentrationen dies geschieht, hängt unter anderem von der Qualität der Gläser und der Beschaffenheit der Lebensmittel ab (z.B. Temperatur, Alkohol, Zucker oder Fett).

In Glasuren von Keramikgeschirr kann ebenfalls Blei enthalten sein. Lebensmittel, die damit in Berührung kommen, können so kontaminiert werden und eine Vergiftung verursachen. Lieb gewonnene Urlaubssouvenirs, beispielsweise in Form von Tassen, Kannen oder Krügen bergen häufig noch ein Risiko für die Gesundheit. Besonders Keramikgeschirr mit farbiger Glasur kann Schwermetalle wie Blei und Cadmium enthalten, dass dann vor allem von säurehaltigen Lebensmitteln herausgelöst und aufgenommen wird. Wie viel Schwermetall auf diese Weise in den Körper gelangt, hängt davon ab, welches Lebensmittel wie lange mit dem belasteten Geschirr in Berührung war. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät davon ab, Lebensmittel über längere Zeit in solchen Keramikgefäßen aufzubewahren.