Brauche ich eine private Rentenversicherung?

Mit einer privaten Rentenversicherung wollen viele Verbraucher ihre gesetzliche Rente aufbessern. Doch Achtung, für eine gute Rendite müssen Sie steinalt werden. Und wer vorzeitig kündigt, bleibt auf hohen Kosten sitzen. Unser Fazit: Nicht empfehlenswert. Sorgen Sie anders fürs Alter vor!

Ältere Frau sitzt auf einem Stuhl in ihrem Garten und schaut auf ein Haus

Eine private Rentenversicherung ist ein Sparvertrag. Sie zahlt dem Versicherten zum vereinbarten Zeitpunkt eine monatliche Rente oder auf Wunsch auch einen Einmalbetrag aus.

Rentenversicherungen werden zwar – auch als Riester-Variante – häufig verkauft, sind aber vor allem bei einem vorzeitigen Ausstieg wenig rentabel; die Verträge sind außerdem intransparent und unflexibel.

  1. Hohe Kosten mindern die ohnehin spärliche Rendite: Der garantierte Zinssatz beträgt bei neuen Verträgen gerade einmal 0,9 Prozent. Vorher gehen auch noch Verwaltungs- und Abschlusskosten ab, die besonders bei vorzeitiger Kündigung zum Ärgernis werden. 

    Wer den Vertrag in den ersten Jahren kündigt (und das sind ziemlich viele), bekommt oft nur knapp die Hälfte der eingezahlten Beiträge zurück. Der Grund: Die hohen Kosten werden nicht verteilt auf die Laufzeit, sondern am Anfang von den Beiträgen einbehalten. Wer einen Vertrag abschließt, rutscht also erst einmal ein paar Hundert oder Tausend Euro ins Minus.

    Bei allen, die die Verträge durchhalten, gehen die Versicherer von einer sehr hohen Lebenserwartung aus, sodass Versicherte sehr alt werden müssen, damit sich ein solcher Vertrag rechnet.
     
  2. Die Verträge sind völlig intransparentEine Überprüfung von ausgezahlten Beträgen wie Rückkaufswert oder Ablaufleistung ist für Verbraucher praktisch nicht möglich. 

    Die Versicherer sagen, man bekomme einen Garantiezins und außerdem Überschüsse. Verschwiegen wird, dass es den Garantiezins nur auf einen Teil des Beitrags gibt, nämlich auf den, der herauskommt, wenn Kosten abgezogen wurden. Die Überschüsse gibt es nur, wenn das Unternehmen mehr als den versprochenen Zins erwirtschaftet oder Kosten für Verwaltung und/oder Risikoabsicherung geringer ausfallen als benötigt. Weder das Erwirtschaften noch die Kürzung von Überschüssen sind für Verbraucher verständlich und überprüfbar.
     
  3. Wie Kapitallebensversicherungen bieten private Rentenversicherungen wenig Flexibilität, um auf veränderte Lebensumstände reagieren zu können. Mit Laufzeiten von 40, 50 oder noch mehr Jahren (Rentenversicherungen gehen in der Regel  vom Zeitpunkt des Abschlusses bis zum Lebensende) binden sie über einen sehr langen Zeitraum eine Menge Geld.

Noch weniger empfehlenswert sind übrigens fondsgebundene Rentenversicherungen. Sie geben neben höheren Kosten noch zusätzlich die Risiken des Aktienmarktes an den Kunden weiter.

Unser Rat

Sorgen Sie auf andere Weise als mit einer privaten Rentenversicherung fürs Alter vor. Trennen Sie „Versichern“ und „Sparen“ voneinander.

Zunächst sollten Sie die wichtigen Versicherungen abschließen, also eine Haftpflichtversicherung, eine Berufsunfähigkeitsversicherung und – alle, die jemanden versorgen müssen – auch noch eine Risikolebensversicherung.

Wenn Sie dann noch Geld zum Sparen übrig haben, können Sie dieses in einen guten Riester-Vertrag stecken, in Indexfonds oder eine Immobilie.

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