Lebensversicherungen auf der Resterampe

Über Jahrzehnte galten Lebens- und Rentenversicherungen als die Altersvorsorgeprodukte schlechthin. Damit waren sie das Erfolgsmodell der Versicherungswirtschaft. Doch nun stoßen immer mehr Versicherer ihre Versicherungsbestände ab. Zuletzt verkaufte die Generali Lebensversicherung AG vier Millionen Versicherungsverträge an eine Run-Off Plattform.  Was bedeutet das für Verbraucher?

Ordner mit Beschriftung Lebensversicherung

Das Wichtigste in Kürze

  1. Viele Versicherungsunternehmen bieten Verbrauchern keine Kapitallebensversicherungen mehr an; sie verzichten wegen der schlechten Rendite auf das Neugeschäft.
  2. Bestehende Verträge laufen nach und nach aus und werden oft von sogenannten Abwicklern verwaltet, die versprechen kostengünstiger zu arbeiten.
  3. Verbraucher sollten die künftigen Standmitteilungen genau prüfen.
  4. Auch sollten Betroffene prüfen, ob der Ausstieg aus einem Vertrag sinnvoll ist und mit Bedacht entscheiden. Die Verbraucherzentrale unterstützt dabei.
Stand: 03.04.2019

Viele Lebensversicherer wollen keine neuen Kunden mehr, bestehende – aus heutiger Sicht zum Teil hochverzinste – Verträge lediglich noch verwalten und das Geschäft so nach und nach abwickeln. Victoria und Skandia machten es vor. Die Generali hat jetzt nachgezogen und auch ihren Bestand verkauft.

Sicherheit ade?

Der zwischenzeitlich verstorbene Gründer des MapReport, Manfred Poweleit sagte einst: „Lebensversicherer verkaufen Sicherheit“. Doch mit jeder neuen Meldung zur aktuellen Situation bei den Lebensversicherern wird genau dies in Frage stellt.

Verkäufe, Fusionen und Übernahmen sind an der Tagesordnung. So lassen sich schnell Personal- und Verwaltungskosten sparen. Im Gegenzug leidet der Service und Arbeitsplätze gehen verloren. Die neuen Eigentümer der Versicherungssparten sind oft Finanzinvestoren, die auf eine schlanke Organisation und eine leistungsstarke IT im Hintergrund setzen – und Kostenvorteile durch den Wegfall des Neugeschäfts. Doch wie viel Sicherheit können oder wollen die sogenannten Abwickler überhaupt geben? Einige Beispiele:

  • Viridium, eine Abwicklungsplattform, die mit einem überwiegenden Anteil einem britischen Investor gehört, hat aktuell den Versicherungsbestand der Generali Lebensversicherung aufgekauft. Somit wechseln auf einen Schlag 4 Millionen Versicherungsverträge auf diese Run-Off Plattform. Viridium verwaltet somit einen Bestand von fast 5 Millionen Lebens- und Rentenversicherungsverträgen. Zuvor hatte Viridium bereits den Versicherungsbestand der Skandia übernommen und Teile des Versicherungsbestandes von Protektor, eigentlich einer Sicherungseinrichtung der deutschen Lebensversicherer, die vor Jahren schon Verträge der in Schieflage geratene Mannheimer-Versicherung aufgekauft hatte.

  • Die Frankfurter Leben, die zu einem chinesischen Konzern gehört, hat vor einiger Zeit Teile der Basler Leben übernommen und kürzlich Bestände der Arag Leben.

Was bedeutet das für Verbraucher?

Viele Verbraucher fragen sich nun, wie es um die Rendite ihrer Verträge steht und wie sicher ihr Geld überhaupt noch ist. Sollten die Abwickler tatsächlich durch weniger Personal und mehr IT Kostenvorteile erzielen, so müssten sie ihre Versicherten eigentlich an den daraus resultierenden Überschüssen beteiligen. Doch Investoren wollen vor allem eines: Geld verdienen. Und so befürchten wir, dass sie das Geld lieber in die eigene Tasche stecken und die Verbraucher am Ende in die Röhre gucken. Es kann natürlich auch ganz anders kommen.

Betroffene Verbraucher sollten deshalb Ihre Standmitteilungen genau prüfen. Die garantierte Versicherungssumme bzw. Rente und bereits zugeteilte Überschüsse dürfen nicht reduziert werden. Andernfalls sollten Verbraucher sich bei der Finanzaufsicht BaFin beschweren. Dies gilt auch, wenn sich die Servicequalität verschlechtert.

 

Wir meinen: Verbraucher dürfen keine Nachteile erleiden, wenn Lebensversicherer ihr Neugeschäft einstellen. Unser Bundesverband hat Forderungen zum fairen Umgang mit Kunden im Fall eines sogenannten Run-Offs zusammengefasst.

  • Wird das Neugeschäft eingestellt, sind die Kunden umfassend und zeitnah über die Folgen der Einstellung zu informieren.
  • Wird der Bestand nach der Einstellung des Neugeschäfts übertragen, ist den Kunden ein Sonderkündigungsrecht zu gewähren.
  • Im Falle des Eigentümerwechsels eines im Run-off befindlichen Lebensversicherers müssen die an die Konzernmutter abgeflossenen Gewinne zeitlich unbegrenzt für die Nachhaftung zur Verfügung stehen.
  • Für eine Übergangsperiode von fünf bis zehn Jahren wird in den übergegangenen Run-Off-Beständen eine Interessenvertretung etabliert.
  • Auch bei den Kostenüberschüssen müssen mindestens 90 Prozent an die Versicherungsnehmer fließen.

Mehr darüber lesen Sie im Forderungspapier des Verbraucherzentrale Bundesverbandes zur Übertragung von Lebensversicherungen auf Abwicklungsplattformen.

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