Riskante Umweltinvestments: Investitionen in Sonne, Wald und Co.

Ob Baumplantage, Windrad oder Solaranlage – die meisten Anbieter von Finanzprodukten, die in Projekte der grünen Branche investieren, begnügen sich mit einem Minimum an Risikoaufklärung. Umso wichtiger ist es, genau hinzuschauen und sich der Gefahren bewusst zu sein. Darauf sollten Sie achten.

Windräder auf Berg

Das Wichtigste in Kürze

  1. Eine Bewertung der Angebote für Umweltinvestments ist schwierig.
  2. Die Geldanlagen bergen ein sehr hohes Risiko; ein Totalverlust des investierten Geldes ist möglich.
  3. Gewinne können geringer ausfallen oder ganz ausbleiben.
Stand: 01.07.2017

Vorsicht ist insbesondere bei Beteiligungen und direkten Investitionen in bestimmte Unternehmen oder Projekte geboten wie Wind- bzw. Solarparks oder Holzplantagen: Scheitert so ein Projekt oder geht das Unternehmen pleite, droht der Totalverlust der Geldanlage. Beispiele für riskante Anlageformen: Geschlossene Fonds, Genussrechte, Unverbriefte Namensschuldverschreibungen, Nachrangdarlehen, Partiarische Darlehen, Stille Beteiligungen, Direktinvestments.

Der Vertrieb solcher grünen Geldanlagen erfolgt nicht immer direkt über den Initiator des Projekts, auch Finanzanlagenvermittler verkaufen die riskanten Umweltinvestments.

Hohes Risiko bei Unternehmensbeteiligungen und Nachrangdarlehen

Eine Beurteilung von Unternehmensbeteiligungen und Nachrangdarlehen ist schwierig. Um die jeweiligen Angebote bewerten zu können, bedarf es neben einer wirtschaftlichen, juristischen und technischen Prüfung auch spezifischer Kenntnisse über die jeweilige Branche.

Anleger sollten zusätzlich Informationen von dritter, unabhängiger Seite einholen und allzu positive Anpreisungen kritisch hinterfragen.  Es ist ratsam, zuerst die persönlichen Anlageziele zu definieren und dann nach dem passenden Produkt zu suchen. Steht Sicherheit an erster Stelle, sind Unternehmensbeteiligungen und Direktinvestments generell ungeeignet. Auch wer sich für diese Anlageform entscheidet, sollte nie alles auf eine Karte setzen, sondern sein Vermögen über verschiedene Finanzprodukte und Anlageklassen streuen.

Darauf sollten Sie achten

  • Risiko Kapitalverlust: Bei Insolvenz des Unternehmens droht Totalverlust. Es gibt keine Einlagensicherung. Auch Nachschussforderungen sind möglich.
  • Keine feste Rendite: Bei den versprochenen Renditen handelt es sich meist um unverbindliche Prognosen. Sie sind in der Regel ertragsabhängig und können geringer ausfallen als geplant.
  • Lange Laufzeiten: Sie können 20 Jahre oder länger sein. Eine vorzeitige Kündigung des Vertrages ist schwierig und teuer oder schlicht nicht möglich. Oft werden lange Laufzeiten im Angebotsprospekt nicht klar benannt.
  • Unzureichende Informationen: Nicht immer erhält der Interessent die nötigen Informationen vor Vertragsschluss. Verkaufsprospekte und Produktinformationsblätter enthalten wichtige Angaben wie beispielsweise ausführliche Risikohinweise zu den Investments. Sie sollten unbedingt vor Vertragsschluss gelesen werden.
  • Undurchsichtige und hohe Kosten: Sie schmälern die Rendite. Kosten für Provision und Vertrieb sind oftmals hoch und nicht immer klar erkennbar.
  • Keine Kreditfinanzierung: Legen Sie nur Geld an, das Sie auch tatsächlich haben. Bei einer Pleite oder geringerer Rendite bleiben Sie sonst auf ihren Schulden sitzen.

Irreführende Werbung

Direkte Beteiligungen, Nachrangdarlehen, Genussrechte und andere Anlagen im Grauen Kapitalmarkt  zeichnen sich häufig durch lange Laufzeiten und schlechte Handelbarkeit aus und sind grundsätzlich risikoreich. Trotzdem wird häufig mit der vermeintlichen Sicherheit der Investition geworben.

Gut zu wissen

Vielfach werden grüne Finanzprodukte mit irreführenden Werbeaussagen beworben. Seien Sie deshalb aufmerksam bei der Beurteilung von klimafreundlichen, ethischen und nachhaltigen Geldanlagen!

Fallstricke bei Umweltinvestments

  • Auslandsprojekte: Bei Projekten im Ausland ist es häufig schwieriger als in Deutschland, Rechtsfragen zu klären und Ansprüche durchzusetzen. Zudem besteht die Gefahr, dass durch Wechselkursänderungen Geld verloren geht.
  • Keine konkrete Projektbindung: Bei sogenannten Blind Pools wissen Anleger nicht, wofür ihr Geld verwendet wird. Eine Bewertung des Investments ist praktisch unmöglich.

  • Falsche Kalkulationsgrundlagen: Unzureichende Berücksichtigung von Reparaturkosten (Wind/Solar), Schwankungen bei den Rohstoffpreisen für Mais (Bioenergie), Schädlingsbefall oder Naturkatastrophen (Waldinvestments) können Gewinne reduzieren.

  • Herstellung von Solarzellen: Dazu werden unter anderem Phosphor- und Borverbindungen sowie Blei verwendet. Fehlen im Herstellungsland Arbeits- und Umweltschutzstandards, können giftige Chemikalien und Schwermetalle die Umwelt und Arbeiter belasten. Die Entsorgung und das Recycling der Anlagen kann zudem problematisch sein.

  • Gefährdung von Tieren: Vögel, bei Offshore-Windparks auch Meeresbewohner, können beeinträchtigt werden. Umweltschützer warnen davor, Trassen mit Stromkabeln durch Meeresschutzgebiete wie dem Wattenmeer zu führen

  • Anbau von Energiepflanzen: Wertvoller Naturraum kann vernichtet werden. In Südostasien und Südamerika wird zunehmend Urwald für Palmölplantagen zerstört.

  • Konkurrenz mit Nahrungsmittelproduktion: Die für Energiepflanzen genutzten Flächen stehen für den Anbau von Nahrungsmitteln nicht mehr zur Verfügung. Verminderte Anbauflächen können dazu führen, dass die Preise für Pacht und Nahrungsmittel steigen.

  • Fehlende Standards: Es gibt keine verbindlichen Standards für eine nachhaltige oder ökologische Forstwirtschaft. Einzig die Forest Stewardship Council (FSC) Zertifizierung wird von Umweltverbänden akzeptiert ‒ allerdings mit Einschränkungen.

  • Rechtliche und soziale Mängel: Häufig liegen die Flächen der Waldinvestments in Ländern mit zweifelhafter Rechtssicherheit. Hier besteht die Gefahr, dass Menschenrechte und Sozialstandards nicht ausreichend berücksichtigt werden und die einheimische Bevölkerung verdrängt wird.

  • Problem Plantage: Plantagen sind nicht mit einem natürlichen Wald vergleichbar; insbesondere wenn es sich um Monokulturen handelt und chemische Pestizide und Herbizide zum Einsatz kommen. Solche Plantagen sind artenarm und zerstören die Bodenfruchtbarkeit.

  • Holzpreise: Sie sind komplex und schwer kalkulierbar. Faktoren wie Bodenqualität, Transportkosten und regionale Preisfindung spielen dabei eine Rolle.

Über das Projekt „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“

Im Rahmen des Projekts „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ untersuchen die Verbraucherzentralen Hamburg und Bremen regelmäßig Anbieter von nachhaltigen Geldanlage- und Altersvorsorgeprodukten und gehen gegen unseriöse und irreführende Werbung vor. Das bundesweite Projekt wird in Kooperation mit den Verbraucherzentralen Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein umgesetzt. Gefördert wird „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative.

Bücher und Broschüren