Schlechter Rat wird teuer

Allein an den Wünschen und Anlagezielen ihrer Kunden sollte sich die Beratung einer Bank oder Sparkasse orientieren. Eine Selbstverständlichkeit – sollte man meinen. Leider häufen sich bei uns in letzter Zeit die Beschwerden vor allem älterer Menschen über ihre Bankberater. Deren Empfehlungen gehen weit am Bedarf der verärgerten Kunden vorbei.

Älteres Paar sitzt auf Sofa und wird beraten

Das Wichtigste in Kürze

  1. Banken haben nicht allein die Kundeninteressen im Blick. Am Verkauf von Anlageprodukten verdienen die Berater Provisionen.
  2. Kunden sollten mit festen Anlagezielen in eine Beratung gehen.
  3. Unabhängigen Rat bieten Verbraucherzentralen und Honorarberater.
Stand: 08.01.2021

Exemplarisch ist der Fall einer 88-jährigen Verbraucherin aus Hamburg. Aufgrund der Demenzerkrankung ihres Ehemannes musste sie die Anlageentscheidungen des Paares alleine treffen und suchte Rat bei ihrem Bankberater. Das Paar hatte sein Geld bislang in einem Immobilen- und einem Rentenfonds mit festverzinslichen Wertpapieren bzw. Anleihen angelegt. Der Bankberater empfahl der Verbraucherin eine weitere Streuung ihrer Geldanlage. Das sei auch im Interesse ihres Mannes. Daraufhin legte die in Geldangelegenheiten unerfahrene Seniorin 40 Prozent des kleinen Vermögens in Aktien an.

Diese Entscheidung bereitete ihr aber bald schlaflose Nächte, da sie das Geld allein auf Empfehlung des Beraters in Aktien angelegt hatte. Ihr Wunsch war es eigentlich, die Ersparnisse liquide und vor allem sicher anzulegen, um damit später eine Pflegeeinrichtung bezahlen zu können. Letztlich veranlasste die Verbraucherin die Auflösung ihres Aktiendepots. Die Bank verkaufte alle Aktien-Anteile und erstattete ihr die angefallenen Gebühren zurück. Ein gutes Ende für die Betroffene.

Weitaus nervenzehrender war der Streit einer zweiten Seniorin mit der Postbank. Der Postbank-Berater hatte ihr entgegen ihrer Anlagewünsche einen Fonds für risikobewusste Anleger verkauft.

Die eigenen Ziele im Blick behalten

Für vermögende Rentnerinnen und Rentner kann die Investition in Aktien im Rahmen der Streuung (Diversifikation) manchmal sinnvoll sein. Es kommt aber stets auf die Situation und den eigenen Wunsch an. Wenn der Wunsch nach einer sicheren Geldanlage besteht und das Geld für die Pflege gebraucht wird, ist eine Investition in Aktien nicht sinnvoll. Aktien und Aktienfonds sollten immer eine längerfristige Investition ohne festen Zeithorizont sein. Dann können Sie Kursschwankungen am Aktienmarkt einfach „aussitzen“. Benötigen Sie Ihr Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt, an dem der Kurs Ihrer Aktien vielleicht gerade im Keller ist, machen Sie unter Umständen einen hohen Verlust.

Bleiben Sie wachsam. Ihrem Bank- oder Versicherungsberater sollten sie nicht bedingungslos vertrauen. Auch dann nicht, wenn Sie vielleicht schon seit Jahren Kunde sind. Berater erhalten zum Teil hohe Provisionen für den Verkauf von Anlageprodukten. Zudem haben Banken in der aktuellen Niedrigzinsphase generell wenig Interesse an großen Mengen Geld auf Girokonten oder Sparbüchern, da sie dieses teuer refinanzieren müssen. Darum: Definieren Sie Ihre Anlageziele und handeln Sie danach.

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