Sinnvoll für Kinder und Enkelkinder sparen

Die Finanzbranche hat Kinder längst als attraktive Zielgruppe entdeckt. Banken, Sparkassen und Versicherungen locken Eltern und Großeltern mit vermeintlich lukrativen Produkten für ihre Liebsten – auch in der Weihnachtszeit. Doch viele davon sind teuer und ungeeignet. Wir klären über Sinn und Unsinn gängiger Finanzprodukte auf.

Kleiner Junge mit großem Sparschwein

Das Wichtigste in Kürze

  1. Oft ist ein einfaches Spar- oder Festgeldkonto die beste Wahl.
  2. Zum Sparen eignen sich keine Versicherungsprodukte.
  3. Je höher die Renditechancen einer Anlage, desto höher ist auch ihr Risiko.
Stand: 04.12.2020

Geldanlage ist nicht gleich Geldanlage. Bevor Sie einen Vertrag für Ihr Kind oder Enkelkind abschließen, sollten Sie sich Gedanken über den Anlass und Ihre Ziele machen. Aus welchem Grund möchten Sie Geld für den Nachwuchs anlegen? Möchten Sie für Ihre Liebsten einfach etwas zur Seite legen, haben Ihre Kinder geerbt oder möchten Sie ihnen den Start in Ausbildung oder Studium erleichtern? Je nach Anlass, Ziel und Ihrer Erwartung an die Erträge der Geldanlage kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht.

Klassisches Sparen: Ständige Verfügbarkeit mit wenig Risiko

Spar- und Tagesgeldkonten eignen sich für das einfache Sparen. Ihr Geld ist risikolos angelegt und für Ihre Liebsten jederzeit verfügbar. Rechnen Sie aber nicht mit einer nennenswerten Rendite. Diese fällt bei Spar- und Tagesgeldkonten in der Regel eher klein aus.

Eine bessere Verzinsung bieten häufig Direktbanken ohne Filialnetz. Der anschauliche Besuch bei der Bank, um bares Geld abzuholen oder einzuzahlen, entfällt dabei jedoch. Wenn Ihr Kind das Sparen selbst erleben soll, ist ein Institut vor Ort die erste Wahl.

Geld fest anlegen für einen längeren Zeitraum

Mehr Rendite können Sie auf einem Festgeldkonto, mit einem Banksparplan oder einem Sparbrief erwarten. Hier legen Sie Ihr Geld über einen längeren Zeitraum fest an, können bis zu einem vereinbarten Termin aber auch nicht darauf zugreifen. Alternativ zu einem größeren Einmalbetrag können Sie auch eine monatliche Zahlung vereinbaren. Hier gilt: Je länger Sie das Geld fest anlegen, desto höher die Zinsen. Wenn Sie Ihrem dreijährigen Enkel mit einem größeren Betrag den Start ins Studium erleichtern wollen, eignet sich diese Form der Geldanlage.

Möchten Sie Ihr Geld über einen längeren Zeitraum anlegen und sind dazu noch bereit, etwas mehr Risiko einzugehen, kommt auch eine Anlage auf dem Aktienmarkt in Betracht. Hier empfehlen wir sogenannte Indexfondssparpläne oder ETF-Sparpläne. Diese bergen weniger Risiko als die Investition in Einzelaktien und fangen mögliche Kursschwankungen durch eine große Zahl unterschiedlicher Aktien in der Regel auf. Über die Auswahl der für Sie passenden Sparpläne informieren wir Sie gerne in unserer Beratung.

Unser Tipp

Weitergehende Informationen zum Thema finden Sie in unserer Broschüre „Sparen für Kinder und Enkelkinder: Wozu eigentlich?“ Diese können Sie sich kostenlos herunterladen. Natürlich beraten Sie auch unsere Expertinnen und Expertin zum Thema Geldanlage und Altersvorsorge – persönlich, am Telefon oder per Mail.

Was Banken und Versicherungen gerne verkaufen

Die Finanzbranche hat eigens Produkte entwickelt, mit denen Eltern und Großeltern angesprochen werden sollen. Aus unserer Beratungspraxis wissen wir, dass diese meist am Bedarf der Kinder und Enkelkinder vorbei verkauft werden. Von folgenden Produkten raten wir Ihnen ab:

Ausbildungsversicherung, Kinderpolice, Kindervorsorge

Bei diesen Produkten handelt es sich im Kern um mehrere Leistungen: um einen Schutz gegen die finanziellen Folgen durch den Tod der Eltern bzw. Großeltern und um eine Geldanlage für das Kind. Bei vielen Produkten werden überdies weitere Risiken wie Unfall oder Invalidität in einer bestimmten Höhe abgesichert. Jede Versicherungsleistung kostet extra. Wir raten davon ab, verschiedene Leistungen derartig miteinander zu kombinieren. Statt eine solche Versicherung abzuschließen, können Sie insbesondere den Todesfall der Eltern über eine Risikolebensversicherung absichern. Die Todesfallsumme sollte sich nicht an Ausbildungskosten orientieren, sondern an dem Sicherheitsbedürfnis der Eltern.

Rentenversicherungen, Generationenpolicen

Warum diese Produkte gerne verkauft werden, hat einen einfachen Grund: Die Vermittlungsprovision errechnet sich aus der Summe der Einzahlungen über die vereinbarte Laufzeit. Je länger die Laufzeit, desto höher die Provision für den Vermittler und desto weniger Geld wird insbesondere in den ersten Sparjahren tatsächlich angelegt. Altersvorsorge ist aber in erster Linie Vermögensaufbau, und da gibt es andere Produkte wie ETF-Sparpläne und Banksparpläne, die weitaus preiswerter zu haben sind.

Bausparverträge

Neue Bausparverträge sind derzeit keine rentable Geldanlage. Die Guthabenverzinsung liegt nur geringfügig über null Prozent und zieht man alle Kosten von den Zinsen ab, rechnet sich das als Sparvertrag nicht mehr. Bausparverträge werden deshalb gerne verkauft, weil die Vermittler dafür eine Provision, die sogenannte Abschlussgebühr, erhalten. Meist beträgt diese ein Prozent der Bausparsumme, außerdem fallen jährliche Entgelte an.

Goldkonten

Aufgrund der jüngsten Preisanstiege beim Goldpreis werden zunehmend auch Goldkonten oder Goldsparpläne angeboten. Allerdings schwankte der Goldpreis in der Vergangenheit heftig, mehr noch als die Aktienmärkte. In den letzten 20 Jahren pendelte der Preis zwischen rund 300 und 1400 Euro je Feinunze. Gold ist alles andere als eine sichere Geldanlage. Es ist aber auch nicht generell ungeeignet. Bei größeren Beträgen kann die Beimischung von Gold zu einem Anlagemix – zum Beispiel bestehend aus Zinspapieren und Aktienfonds – das Risiko insgesamt senken, große Verluste zu erleiden. Gold zahlt aber weder Zins noch Dividende und seine langfristige Wertentwicklung über Jahrzehnte hinweg war nach Abzug der Inflationsrate nur in wenigen Zeiträumen höher als bei anderen Geldanlagen. Deshalb raten wir davon ab, deutlich mehr als zehn Prozent des Vermögens in Gold anzulegen.

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, dem Nachwuchs Gold zu schenken, dann raten wir von Goldkonten oder Goldsparplänen ab. Schenken Sie stattdessen einfach eine Goldmünze. Sie bestehen in aller Regel aus Feingold (999er Gold). Diese werden von verschiedenen Ländern oftmals jährlich mit unterschiedlichen Motiven herausgegeben. Seien Sie bei Sammlermünzen vorsichtig, hier bezahlen Sie weit mehr als die Münze in Gold gerechnet wert ist. Es gibt Münzen, die eine ganze Unze (31,1 Gramm) wiegen, aber auch Münzen mit geringerem Gewicht. Je kleiner das Gewicht, desto schlechter ist der Preis. Wer möglichst viel Gold für sein Geld erhalten möchte, ist besser beraten einige wenige größere Münzen zu kaufen statt vieler kleiner. Informieren Sie sich vorab im Internet über den Goldpreis in Euro, dann können Sie das Angebot besser einschätzen. Kaufen können Sie Goldmünzen bei Banken und Edelmetallhändlern. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie Gold im Internet bestellen und bezahlen sollen, bevor Ihnen das Gold geliefert wurde.

 

Festgeld plus Investmentfonds

Einige Finanzinstitute bieten im Rahmen von Aktionswochen höhere Zinsen für eine begrenzte Laufzeit, wenn Sie zugleich auch noch Geld in Investmentfonds anlegen. Doch Vorsicht: Die höheren Zinsen bezahlen Sie im Grunde aus eigener Tasche, weil Sie für den Kauf des Investmentfonds einen Ausgabeaufschlag bezahlen müssen. Das ist die Provision, welche die Bank von der Fondsgesellschaft erhält. Außerdem erhält die Bank auch in Zukunft noch Provisionen, und zwar aus dem Betrag, den Sie in den Investmentfonds angelegt haben. Das ist die Vertriebsfolgeprovision, juristisch auch „Zuwendung“ genannt. Mit dem extra Zins ist es meist schon nach drei Monaten vorbei, während die extra Kosten im Fonds noch lange wirken, zu Lasten Ihrer Erträge.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen, die Risikoabsicherung von der Geldanlage zu trennen. Kombi-Produkte mit einem Spar- und einem Versicherungsanteil sind in der Regel nicht sinnvoll. Außerdem sind auch gar nicht alle Risiken eine Absicherung wert. Eine Handy-Versicherung können Sie sich zum Beispiel sparen. Viel wichtiger sind Versicherungen, die einen existenzbedrohenden Schaden absichern. Hierzu zählt zum Beispiel eine Haftpflichtversicherung. Welche Versicherungen sinnvoll oder überflüssig sind, können Sie in unserem Versicherungs-ABC nachschlagen.

Erst die Eltern, dann die Kinder

Bevor Sie über eine Geldanlage für Ihr Kind oder Enkelkind nachdenken, sollten Sie allerdings für Ihre eigenen Finanzen sorgen. Ist Ihr Konto in den schwarzen Zahlen? Haben Sie ausreichend Geld auf der „hohen Kante“ für unerwartete Ausgaben? Wie sieht es mit Ihrer Altersvorsorge aus? Wie Sie richtig Sparen und sinnvoll Geld anlegen, erfahren Sie in unseren 12 Spar-Tipps.

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