Welche Versicherung brauche ich?

Viele Menschen geben jede Menge Geld für ihren Versicherungsschutz und trotzdem sind sie unterversichert, weil ihre Policen die wirklich existenzbedrohenden Risiken nicht abdecken. Wir sagen Ihnen, ob und unter welchen Umständen eine Versicherung sinnvoll ist.

Frau hält Stift in der Hand und macht Notizen

Das Wichtigste in Kürze

  1. Viele Verbraucher sind unterversichert, obwohl sie viel Geld für Versicherungen ausgeben.
  2. Versichern sollte man sich vor allem gegen schlimme finanzielle Folgen durch unabwendbare und schicksalhafte Ereignisse.
  3. Besonders wichtig sind eine private Haftpflichtversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Jeder Deutsche gibt im Schnitt mehr als 2.300 Euro pro Jahr für Versicherungen aus – dennoch sind viele Menschen unterversichert, weil ihre Policen die wirklich existenzbedrohenden Risiken nicht abdecken.

Welche Risiken absichern?

Versicherungen sollen schlimme finanzielle Folgen von unabwendbaren und schicksalhaften Ereignissen ausgleichen. Der Versicherungsschutz, der Ihnen von den Vermittlern empfohlen wird, greift bei solchen Schadensfällen jedoch häufig nicht. Denn für die Policen, die wirklich wichtig sind, werden meist nur geringe Provisionen gezahlt. Hohe Provisionen bekommen die Vermittler dagegen für Versicherungen, die weit weniger wichtig oder sogar gänzlich überflüssig sind. 

Um festzustellen, ob eine Versicherung wichtig ist oder nicht, sollten Sie sich stets fragen: Was passiert finanziell, wenn... 

Allgemein: Geraten Sie im Schadensfall an den Bettelstab oder kann der finanzielle Verlust zur Not aus eigener Tasche ausgeglichen werden? Aus der Antwort auf diese Frage ergibt sich eine Rangfolge von unverzichtbaren bis hin zu überflüssigen Policen.

Konkret: Natürlich ist es ärgerlich, wenn Ihre Waschmaschine kurz nach Ende der zweijährigen Garantie kaputt geht oder wenn Ihnen im Urlaub der Koffer geklaut wird, in eine finanziell bedrohliche Situation geraten Sie durch solche Ereignisse jedoch in aller Regel nicht. Wer sich gegen jede mögliche Unannehmlichkeit absichert, verliert dabei ausgerechnet jene finanziellen Spielräume, die er mithilfe der vielen Versicherungen eigentlich erhalten wollte.

Unser Rat

  • Sichern Sie sich vor allem gegen existenziell bedrohliche Risiken ab, und zwar mit einer privaten Haftpflichtversicherung und einer Berufsunfähigkeitsversicherung.
  • Wenn Sie Angehörige haben, die finanziell von Ihnen abhängig sind, sollten Sie außerdem eine Risikolebensversicherung abschließen.
  • Als Immobilienbesitzer sollten Sie sich zudem gegen schwere Schäden am eigenen Haus mit einer Gebäudeversicherung absichern.
  • Damit Krankheitsfälle im Ausland nicht zu einem unüberschaubaren finanziellen Risiko werden, raten wir Ihnen zu einer Auslandsreisekrankenversicherung.

Versicherungs-ABC: Policen im Überblick

Unser Versicherungs-ABC erklärt Ihnen die gängigsten Versicherungen in Kurzform und gibt Ihnen eine Einschätzung, ob und unter welchen Umständen eine Police sinnvoll ist.

Ausbildungsversicherung

Eine Ausbildungsversicherung ist in Wirklichkeit eine Kapitallebensversicherung. Eltern zahlen monatlich eine bestimmte Summe, damit zu einem vereinbarten Zeitpunkt ein größerer Geldbetrag für die Ausbildung eines Kindes zur Verfügung steht.

Stirbt das Elternteil, das die Versicherung abgeschlossen hat, zahlt die Versicherung die Beiträge weiter, sodass auf den gewünschten Betrag zum vereinbarten Zeitpunkt zugegriffen werden kann. Diese Absicherung lässt sich die Versicherung jedoch teuer bezahlen.

Kostengünstiger ist es, Geldanlage und Versicherung zu trennen – also Geld für die Ausbildung anzusparen, und die Kinder abzusichern, indem man eine Risikolebensversicherung abschließt.

Fazit: Nicht empfehlenswert

Auslandsreisekrankenversicherung

Deutschland unterhält mit den übrigen EU-Staaten sowie einigen anderen Ländern Sozialversicherungsabkommen. Für Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung bedeutet das: Werden Sie im Ausland krank, so steht Ihnen gegen Vorlage der Versichertenkarte derselbe Versicherungsschutz zu, wie ihn auch Einheimische erhalten.

Diese Leistungen können jedoch deutlich geringer sein als in Deutschland. Deshalb ist eine Auslandreisekrankenversicherung praktisch. Geradezu unverzichtbar wird sie jedoch bei Reisen in Länder, mit denen kein solches Abkommen besteht. Richtig teuer wird es zudem, wenn Patienten einen Rücktransport nach Deutschland benötigen. Gegen dieses Risiko sollten sich Reisende mit der gewählten Krankenversicherung absichern.

Eine Auslandsreisekrankenversicherung ist wichtig für jeden, der außerhalb Deutschlands unterwegs ist. Der finanzielle Aufwand ist zudem überschaubar: Günstige Policen sind schon für weniger als zehn Euro pro Jahr erhältlich.

Fazit: Wichtig

Berufsunfähigkeitsversicherung

Schwere Erkrankungen sind der häufigste Grund, weshalb Menschen ihren Beruf gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt ausüben können. In solchen Fällen kann eine Berufsunfähigkeitsrente zumindest einen Teil der Einnahmeausfälle ersetzen. Das ist meist auch dringend nötig, denn die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht in der Regel nicht aus, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Betroffene müssten somit von Ersparnissen leben oder Grundsicherung beantragen.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist deshalb empfehlenswert. Der Vertragsabschluss ist jedoch häufig schwierig. Wir beraten Sie hierzu gern individuell und mit einem Angebotsvergleich.

Fazit: Wichtig

Nicht verwechseln: Neben der Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es auch andere Versicherungen, die jedoch nur bei bestimmten Szenarien eine Zahlung vorsehen. Zum Beispiel eine Unfallversicherung, eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung, eine Grundfähigkeitsversicherung oder eine Dread-Disease-Versicherung. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung bietet dagegen einen umfassenderen Schutz.

Fahrradversicherung

Eine separate Fahrradversicherung ist vergleichsweise teuer und ist allenfalls bei sehr hochpreisigen Rädern sinnvoll. Die lassen sich aber nur schwer versichern.

Fazit: In den meisten Fällen überflüssig

Gebäudeversicherung

Eine Wohngebäudeversicherung ist für Immobilienbesitzer empfehlenswert. Sie zahlt dann, wenn die eigene Immobilie durch Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel oder Vandalismus beschädigt wird. In der Wohngebäudeversicherung geht es um das Gebäude und seine Bestandteile. Sie bildet damit ein Gegenstück zur Hausratversicherung, in der das bewegliche Hab und Gut versichert ist. In besonders bedrohten Gebieten kann es zudem sinnvoll sein, sich im Rahmen dieser Versicherung auch gegen Elementarschäden wie Erdbeben, Lawinen oder Hochwasser abzusichern.

Fazit: Wichtig für Immobilienbesitzer

Geräteversicherung / Garantieverlängerung

Beim Kauf von Elektrogeräten wird Verbrauchern oft eine passende Versicherung angeboten. Wer das Angebot annimmt, hat dabei in der Regel einen überteuerten Vertrag am Hacken.

Sicher, es ist ärgerlich, wenn die Waschmaschine oder das Notebook kurz nach Ablauf der Garantiezeit kaputt geht. Ein solcher Schaden treibt jedoch niemanden in den Ruin. Hinzu kommt: Viele Geräte, gerade aus dem IT-Bereich, sind bereits nach zwei Jahren technisch überholt. Die Versicherung repariert oder ersetzt jedoch nur das vorhandene Gerät, Anspruch auf ein aktuelles Modell haben Sie nicht.

Fazit: Überflüssig

Glasversicherung

Der Bruch einer Glasscheibe ist in der Regel finanziell zu verkraften. Auf eine separate Glasversicherung können Sie daher verzichten.

Fazit: Überflüssig

Haftpflichtversicherungen

Wer Schäden verursacht, muss dafür haften – auch dann, wenn er sie nicht vorsätzlich herbeigeführt hat. Insbesondere wenn Menschen verletzt werden und bleibende Behinderungen davontragen, können für den Verursacher Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe entstehen.

Eine private Haftpflichtversicherung ist daher eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt. Sie übernimmt gegebenenfalls auch die juristische Auseinandersetzung mit den Geschädigten. Die private Haftpflichtversicherung sollte Sach- und Personenschäden bis zu einer Höhe von mindestens fünf Millionen Euro abdecken.

Neben der Privathaftpflicht gibt es noch weitere Haftpflichtversicherungen: Für Autobesitzer ist eine Kfz-Haftpflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben. Versicherte sollten sie wenn möglich mit unbegrenzter Deckung abschließen.

Selbstständige sollten außerdem eine Police für eine Berufshaftpflichtversicherung haben. Hunde- und Pferdebesitzer benötigen eine Tierhalterhaftpflichtversicherung, und wer ein Haus mit Ölheizung besitzt, braucht eine Gewässerschadenhaftpflichtversicherung für den Fall, dass sie ausläuft und das Grundwasser verunreinigt. Vermieter sollten zudem eine Eigentümerhaftpflicht abschließen. Diese haftet bei Schäden, die bei der Nutzung der Immobilie entstehen können.

Fazit: Unverzichtbar

Hausratversicherung

Mit einer Hausratversicherung lassen sich Gegenstände in den eigenen vier Wänden versichern. Sie bildet damit das Gegenstück zur Gebäudeversicherung. Die versicherten Schadensereignisse sind bei beiden Versicherungen dieselben: Feuer, Leitungswasser, Sturm,  Hagel und Vandalismus. Der einzige Unterschied: Die Hausratversicherung greift auch bei Einbruchdiebstahl. Sie zahlt den sogenannten Wiederbeschaffungswert, übernimmt also die Kosten, die anfallen, um gestohlene oder zerstörte Gegenstände neu zu kaufen.

Für spartanisch eingerichtete WG-Bewohner ist eine Hausratversicherung in der Regel wenig sinnvoll. Wer aber erhebliche Verluste verschmerzen müsste, für den kann diese Police nützlich sein.

In besonders bedrohten Gebieten kann es auch bei dieser Versicherung ratsam sein, sich gegen Elementarschäden wie Erdbeben, Lawinen oder Hochwasser abzusichern.

Fazit: In vielen Fällen sinnvoll

Insassen-Unfallversicherung

Eine Insassen-Unfallversicherung greift dann, wenn die Insassen eines Autos durch einen Unfall verletzt oder getötet werden. Das klingt nach wichtigem Versicherungsschutz, ist aber in den allermeisten Fällen überflüssig. Denn verursacht der Fahrer einen Unfall, zahlt seine Kfz-Haftpflichtversicherung, war ein anderer Auto- oder Fahrradfahrer Schuld, greift dessen Haftpflichtversicherung.

Wer sich selbst gegen Unfallrisiken absichern will, sollte einen umfassenderen Schutz wählen, am besten in Form einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder – wenn das nicht möglich ist – mit einer Unfallversicherung.

Fazit: Überflüssig

Kaskoversicherung

Im Gegensatz zur gesetzlich vorgeschriebenen Kfz-Haftpflichtversicherung ist der Abschluss einer Kaskoversicherung freiwillig. Eine Teilkaskoversicherung haftet zum Beispiel bei Autodiebstahl und deckt eine Reihe von Schäden am eigenen Fahrzeug ab, zum Beispiel durch Wildunfälle, Brände oder Extremwetterlagen. Eine Vollkaskoversicherung haftet darüber hinaus auch bei Schäden, die beispielsweise durch selbstverschuldete Unfälle entstehen, oder wenn andere Menschen das Fahrzeug des Versicherten mutwillig beschädigen. Sie zahlt allerdings im Höchstfall den Zeitwert des jeweiligen Autos, nicht den Preis eines neuen Wagens.

Fazit: Der Wert des Autos bestimmt die Notwendigkeit.

Kinder-Invaliditätsversicherung

Was die Berufsunfähigkeitsversicherung für Erwachsene ist, das ist die Kinder-Invaliditätsversicherung für Minderjährige. Sie zahlt dann eine lebenslange monatliche Rente, wenn ein Kind beispielsweise aufgrund einer Krankheit dauerhaft auf finanzielle Hilfe angewiesen ist. Die Versicherung vermeidet somit, dass Eltern bis ans Ende ihrer Tage für den Lebensunterhalt ihres Kindes aufkommen müssen – oder dass das Kind lebenslang mit der staatlichen Grundsicherung auskommen muss.

Fazit: Sinnvoll, um Kinder vor den finanziellen Folgen schwerer Gesundheitsprobleme zu schützen 

Nicht verwechseln: Eine Kinder-Unfallversicherung zahlt im Gegensatz zur Kinder-Invaliditätsversicherung nur, wenn das Kind unfallbedingt invalide geworden ist. Die Kinder-Invaliditätsversicherung ist eindeutig die bessere Wahl. Denn sie bietet einen umfassenderen Versicherungsschutz, der sowohl Unfälle als auch Krankheiten umfasst.

Krankengeld- und Krankentagegeldversicherung

Ein Kranken(tage)geld ersetzt bei längerer Krankheit das Arbeitseinkommen – oder zumindest einen großen Teil davon. Festangestellte bekommen es automatisch, wenn sie länger als sechs Wochen krank sind, Freiberufler und Selbstständige nur, wenn sie über die Künstlersozialkasse gesetzlich versichert sind. Alle anderen, die auf eigene Rechnung arbeiten, können bei ihrer gesetzlichen Krankenkasse Krankentagegeld zusätzlich absichern – entweder ab der siebten Krankheitswoche oder als Wahltarif noch früher – ­oder sich nach einer privaten Zusatzversicherung umsehen. Auch privat Krankenversicherte können sich über ihre Versicherung absichern.

Krankentagegeld ist wichtig für Menschen, die über geringe Rücklagen verfügen und bei Verdienstausfall schnell in eine finanzielle Schieflage geraten würden.

Fazit: In vielen Fällen sinnvoll.

Nicht verwechseln: Nicht empfehlenswert ist der Abschluss einer Krankenhaustagegeld-Versicherung. Denn die zahlt nur bei Klinikaufenthalten einen festen Betrag, mit dem der Patient zusätzliche Kosten, zum Beispiel für ein Einzelzimmer, bestreiten kann. Sie deckt also keine existenziellen Risiken ab und ist folglich überflüssig.

Kranken-Zusatzversicherungen

Gesetzlich Krankenversicherte können ihren Versicherungsschutz im Krankheitsfall durch eine ganze Reihe von privaten Zusatzpolicen erweitern. So können sie sich beispielsweise Chefarztbehandlungen, freie Klinikwahl, Einzelzimmer im Krankenhaus, Heilpraktikerleistungen oder Kostenübernahmen bei Zahnersatz sichern.

Allerdings sollte man sich gut überlegen, ob finanzieller Aufwand und möglicher Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Kunden zahlen hier womöglich über Jahre hinweg zum Teil erhebliche Versicherungsbeiträge, ohne dass es dabei um existenziell bedrohliche Risiken geht. Sie verschaffen sich damit lediglich das Recht auf Zusatzleistungen, von denen sie nicht wissen, ob sie sie brauchen. Meist ist es sinnvoller, etwas Geld für solche Krankheitsfälle zurückzulegen.

Wer eine solche Versicherung zudem erst unmittelbar vor einer bereits geplanten Behandlung abschließt, geht in der Regel leer aus. Denn solche absehbaren Krankheitsfälle sind meist vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.

Fazit: Möglicherweise hilfreich, aber nicht dringend notwendig

Kreditversicherung

Wer einen Kredit aufnimmt, bekommt dabei oft auch gleich eine Restschuldversicherung angeboten. Sie soll die Bankschulden ausgleichen, sofern der Versicherte stirbt, arbeitslos oder berufsunfähig wird, bevor der Kredit abbezahlt ist. Eine solche Versicherung ist jedoch mit hohen Kosten verbunden. 

Die zahlreichen Einschränkungen führen dazu, dass die Versicherer nur selten zahlen müssen. Sinnvoller ist es daher, eine Risikolebensversicherung mit ausreichend hoher Deckungssumme abzuschließen, sodass die Angehörigen die Bankschulden begleichen können, wenn man selbst frühzeitig stirbt. 

Fazit: Nicht sinnvoll

Lebensversicherung

Wenn Sie Angehörige haben, die finanziell von Ihnen abhängig sind, sollten Sie eine Risikolebensversicherung abschließen. Sie unterstützt Ihre Angehörigen dann, wenn Sie selbst versterben – und zahlt nur in diesem Fall.

Die Kapitallebensversicherung dagegen kombiniert den Versicherungsschutz für die Hinterbliebenen mit Einzahlungen für die Altersvorsorge des Kunden. Am Ende der Vertragslaufzeit bekommt der Versicherte einen einmaligen Geldbetrag ausgezahlt. Diese Versicherungen werden zwar häufig verkauft, sind aber intransparent gestaltet, unflexibel und insbesondere bei Neuverträgen wenig rentabel. Hohe Kosten machen diese Verträge so teuer, dass Sie bei vorzeitiger Kündigung in den ersten Jahren erhebliche Verluste hinnehmen müssen.

Noch weniger empfehlenswert sind fondsgebundene Kapitallebensversicherungen, da sie die Risiken des Aktienmarkts an den Kunden weiterreichen.

Fazit: Eine Risikolebensversicherung kann sinnvoll sein, andere Spielarten der Lebensversicherung nicht

Pflegezusatzversicherung

Die gesetzliche Pflegeversicherung bietet nur einen Basisschutz. Bei schweren Pflegefällen können die monatlichen Kosten für einen Heimplatz oder eine häusliche Rund-um-die-Uhr-Betreuung jedoch deutlich höher sein als die monatliche Rente und die Zuschüsse aus der Pflegeversicherung. In solchen Fällen müssen Ersparnisse angezapft werden. Ist das nicht möglich, müssen die Kinder des Pflegepatienten für die Kosten aufkommen. Haben die nicht genug Geld, springt ab bestimmten Einkommensgrenzen das Sozialamt ein.

Um solche Szenarien zu vermeiden, können Verbraucher eine private Pflegezusatzversicherung abschließen. Dabei gibt es solche, die die restlichen Pflegekosten finanzieren, und die empfehlenswerteren Pflegetagegeldversicherungen, bei denen Sie das Geld flexibler einsetzen können.

Eine weitere Wahlmöglichkeit besteht zwischen privatfinanzierten Policen und solchen, für die man eine monatliche staatliche Zulage von fünf Euro bekommen kann, den sogenannten Pflege-Bahr. Doch auch die staatlich geförderte Variante sollten Sie nicht unbedacht abschließen, denn diese Versicherungen bieten oft schlechtere Leistungen, weil sie auch Menschen aufnehmen müssen, bei denen anhand von Vorerkrankungen bereits absehbar ist, dass sie zum Pflegefall werden könnten.

Fazit: Genau überlegen, ob diese Versicherung nötig ist und gegebenenfalls mehrere Angebote vergleichen

Rechtsschutzversicherung

Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt die Kosten für juristische Beratung und gegebenenfalls auch Prozesskosten. Das klingt gut, ist jedoch mit diversen Einschränkungen verbunden.

So sagt der Versicherer in der Regel nur dann eine Übernahme der Prozesskosten zu, wenn er gute Chancen sieht, dass der Versicherte den Rechtsstreit gewinnt. Im Falle eines Sieges vor Gericht muss jedoch ohnehin die gegnerische Seite die Kosten übernehmen. Kostspielige Verfahren wie eine Scheidung oder ein Rechtsstreit um eine erworbene Immobilie sind zudem grundsätzlich vom Versicherungsschutz ausgenommen.

Oft können Prozesskosten zudem auch ohne Rechtsschutzversicherung finanziert werden. Wer anderen Schaden zufügt, für den übernimmt meist die Haftpflichtversicherung etwaige Prozesskosten. Und wer Gewerkschaftsmitglied ist, hat in der Regel Rechtsschutz bei arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen.

Fazit: Kein Muss

Reisegepäckversicherung

Der Verlust von Reisegepäck im Urlaub ist zwar ärgerlich, aber nicht existenzbedrohlich. Der Abschluss einer Reisegepäckversicherung ist daher meist überflüssig, zumal sie Versicherten im Schadensfall oft unterstellt, sie hätten auf ihr Gepäck nicht sorgsam genug aufgepasst. Geht das Gepäck auf einer Flugreise verloren, haftet zudem in der Regel die Fluggesellschaft.

Fazit: Überflüssig

Reise-Rücktrittsversicherung

Wer eine teure Reise bucht, für den kann eine Reiserücktrittsversicherung sinnvoll sein. Insbesondere dann, wenn lange im Voraus gebucht wurde. Bis es losgeht, kann schließlich einiges dazwischenkommen, zum Beispiel unerwartete Erkrankungen. Gerade, wenn Kinder mitkommen, ist ein solcher Versicherungsschutz empfehlenswert. Sinnvoll ist es, diesen Versicherungsschutz mit einer Reiseabbruchversicherung zu kombinieren, die dann haftet, wenn die Reise vorzeitig abgebrochen werden muss.

Fazit: In manchen Fällen sinnvoll

Private Rentenversicherung

Eine private Rentenversicherung zahlt dem Versicherten zum vereinbarten Zeitpunkt eine monatliche Rente oder auf Wunsch auch einen Einmalbetrag  aus. Ähnlich wie eine Kapitallebensversicherung bieten die Verträge aber oft wenig Flexibilität, um auf veränderte Lebensumstände reagieren zu können.

Der garantierte Zinssatz beträgt bei neuen Verträgen gerade einmal 0,9 Prozent. Vorher gehen auch noch Verwaltungs- und Abschlusskosten ab, die besonders bei vorzeitiger Kündigung zum Ärgernis werden: Wer den Vertrag in den ersten Jahren kündigt, bekommt oft nur knapp die Hälfte der eingezahlten Beiträge zurück. Zudem gehen die Versicherer von einer sehr hohen Lebenserwartung aus, sodass Versicherte sehr alt werden müssen, damit sich ein solcher Vertrag rechnet.

Noch weniger empfehlenswert ist der Abschluss einer fondsgebundenen Rentenversicherung. Sie gibt die Risiken des Aktienmarktes an den Kunden weiter und kombiniert sie mit hohen Kosten und einem unflexiblen Vertrag.

Fazit: Nicht empfehlenswert. Altersvorsorge ist wichtig, aber es gibt lukrativere Alternativen.

Sterbegeldversicherung

Eine Sterbegeldversicherung ist eine kleine Lebensversicherung mit hohen Kosten: Sie zahlt dann, wenn der Versicherte verstirbt. Stirbt der Kunde früh, zahlt die Versicherung oft nur einen Teil des Geldes. Ist die lange Einzahlungsphase beendet, hat der Kunde dagegen häufig weit mehr in die Versicherung eingezahlt als seine Angehörigen nach seinem Tod ausgezahlt bekommen. Sinnvoller ist es daher in der Regel, das Geld eigenständig anzusparen.

Fazit: Nicht empfehlenswert

Tierkrankenversicherung

„Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch“, hieß es einst in einem Werbeslogan für Tiernahrung. Ist die Katze dagegen krank, ist das nicht nur schade, sondern oft auch teuer. Tierkrankenversicherungen versprechen, die Kosten für einen Tierarzt zu übernehmen.

Für vergleichsweise hohe Beiträge gibt es jedoch wenig Leistung. Viele Behandlungen werden nicht bezahlt, und Herrchen oder Frauchen bleiben gerade bei älteren Tieren auch schon mal auf einem hohen Teil der Behandlungskosten sitzen.

Sinnvoller ist es daher, monatlich einen bestimmten Betrag zurückzulegen, der für medizinische Behandlungen der Vierbeiner zur Verfügung steht.

Fazit: Nicht empfehlenswert

Unfallversicherung

Bei folgenschweren Unfällen, die zu dauerhafter Invalidität führen, zahlt eine Unfallversicherung eine hohe, einmalige Summe. Dieses Geld aus einer Unfallversicherung kann dann dabei helfen, Haus oder Wohnung barrierefrei umzugestalten oder Einkommensverluste auszugleichen.

Alternativ werden auch Unfallrentenversicherungen angeboten, die eine monatliche Rente zahlen. Ein vollwertiger Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung sind solche Versicherungen jedoch keineswegs. Denn die meisten berufsunfähigen Menschen können ihren Job aufgrund von Krankheiten nicht mehr ausüben, Unfälle sind nur in etwa zehn Prozent der Fälle der Grund.

Wichtiger ist es folglich, sich erstmal gegen Berufsunfähigkeit insgesamt abzusichern. Wer das aufgrund von Vorerkrankungen nicht kann oder sich zusätzlich absichern möchte, kann über den Abschluss einer Unfallversicherung nachdenken – zu den wichtigsten Policen gehört sie jedoch nicht.

Fazit: In bestimmten Fällen sinnvoll

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