Ampelkennzeichnung jetzt!

Farbig unterlegte Nährwertkennzeichnungen auf Lebensmitteln wären eine echte Hilfe für Verbraucher, um zu fette, zu zuckerhaltige und zu salzige Produkte im Regal stehen zu lassen. Doch die Industrie mauert seit Jahren – und auch der aktuelle Vorstoß sechs großer Konzerne ist kritisch zu sehen. Unsere Ampelcheck-Karte ist da die bessere Lösung.

Frau schaut beim Einkaufen auf ein Glas

Das Wichtigste in Kürze

  1. Mit Hilfe der Ampelkennzeichnung können die Gehalte von Zucker oder Fett in Lebensmitteln auf den ersten Blick beurteilt werden.
  2. Der Ampelcheck hilft Verbrauchern dabei, ein besseres Ernährungsverhalten umzusetzen.
  3. Die Ampel schafft Transparenz, denn Lebensmittel einer Produktgruppe wie Kekse, Joghurts oder Limonaden lassen sich gut miteinander vergleichen – vorausgesetzt die Angaben beziehen sich auf einheitliche Grundwerte.  
Stand: 23.07.2018

Eine Ampel auf Lebensmitteln zeigt klar und verständlich auf einen Blick mit den Signalfarben Rot, Gelb und Grün wie viel Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren und Salz ein Lebensmittel enthält. Eine gute Sache, will man meinen. Doch seit Jahren lehnen Unternehmen und Händler diese verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung in Deutschland kategorisch ab. Nun wollen sechs große Lebensmittelkonzerne eine Nährwertampel für Portionsgrößen einführen.

Nährwertampel, GDA-System oder Nutriscore

Wir setzen uns schon seit Jahren für die Ampelkennzeichnung auf Fertiglebensmitteln ein. Die Nährwertampel könnte helfen, Übergewicht und Diabetes durch zu viel Zucker und Fett sowie Bluthochdruck durch zu hohen Salzkonsum  besser in den Griff zu bekommen.

Und auch die Verbraucher wollen in großer Mehrheit eine bessere Kennzeichnung der Nährwerte. Untersuchungen haben immer wieder gezeigt, dass die Ampelkennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen die für Verbraucher am besten verständliche Nährwertkennzeichnung ist.

Gut zu wissen

Die Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz hilft dabei, Zucker- und Fettfallen zu entlarven und stellt Verbrauchern gemeinsam mit der Verbraucherzentrale kostenlose Ampelkärtchen zur Verfügung.

Das sieht die Lebensmittelindustrie aber leider anders. Statt der Ampel soll das sogenannte GDA-System (Guideline Daily Amount) der Industrie die Verbraucher informieren. Dieses System ermöglicht viel Trickserei und verschleiert die wahren Mengen von Zucker, Fett und Salz. Denn beim GDA-System dürfen die Hersteller die Portionsgröße selbst festlegen – ganz nach ihrem Geschmack ohne jegliche Standards. Es können selbst so groteske Größen wie eine halbe Tiefkühlpizza oder eine halbe Flasche Softgetränk sein. Wir meinen daher, eine Ampelkennzeichnung in Bezug auf Portionen bei „normalerweise“ in kleinen Mengen verzehrten Produkten einzuführen, ist ein Irrweg, da es oft große Diskrepanzen zwischen der Herstellerangabe und dem Verhalten der Verbraucher gibt.

Danone will mit dem sogenannten Nutriscore-Modell ab 2019 noch einen anderen Weg gehen. Ob diese Information tatsächlich mehr Klarheit schafft, wird die Praxis zeigen. Beim Nutriscore-Modell werden einzelnen Nährwertbestandteilen eines Produkts Punkte zugewiesen und diese dann miteinander verrechnet. Das Ergebnis wird mittels einer fünfstufigen Farbskala dargestellt. Eine separate Einschätzung für Fett, gesättigte Fette, Zucker und Salz gibt es bei diesem Modell nicht.

Zu viel Zucker konsumiert

Zwar verloren die 40 größten Hersteller von Erfrischungsgetränken 2017 erstmals an Absatz und die Anbieter von zuckerreichen Getränken hatten es etwas schwerer in Deutschland, doch es werden immer noch viel zu viele Süßgetränke getrunken. Die Zahl der europäischen Länder, die Zuckersteuern erlassen, um ihre Konsumenten vor den negativen gesundheitlichen Auswirkungen zu schützen, wächst stetig. Seit April gehört auch Großbritannien dazu.

Wir meinen: Ein Ampelsystem, eine Steuer oder sogar beides zusammen sind auf jeden Fall geeignete Maßnahmen, um dem hohen Zuckerkonsum entgegen zu wirken.  

Ratgeber