Nutri-Score – das sollte man wissen

Viele Menschen möchten Zuckerbomben und Fettfallen auf den ersten Blick erkennen können. Dabei soll der Nutri-Score, eine farbige Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite von Verpackungen helfen. Immer mehr Unternehmen drucken das Label auf die Verpackungen ihrer Produkte. Doch bei eher nicht so gesunden Lebensmitteln sucht man die Kennzeichnung meist vergebens.

Frau schaut beim Einkaufen auf ein Glas

Das Wichtigste in Kürze

  1. Als Ergänzung zu umfangreichen Nährwerttabellen kann der Nutri-Score auf einen Blick Auskunft darüber geben, wie gesund ein Nahrungsmittel ist oder nicht. Eine solche Kennzeichnung kann helfen, eine bessere Ernährung umzusetzen und Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.
  2. Seit Anfang November 2020 dürfen Unternehmen in Deutschland das Label für die Auslobung von Produkten verwenden.
  3. Bislang ist die Kennzeichnung freiwillig. Ziel sollte aber eine verpflichtende Kennzeichnung von Fertiglebensmitteln in ganz Europa sein.
Stand: 12.10.2021

Von Gemüse bis Cola ​– wir waren dem Nutri-Score auf der Spur. Wir haben recherchiert, fotografiert und und bei Firmen angefragt. Einige Produkte haben wir auch selbst gelabelt. Sogar Nutella gibt es bei uns mit dem Nutri-Score. Und wir beantworten die wichtigsten Fragen zu der neuen Nährwertkennzeichnung.

Nach jahrelangem Zögern wurde in Deutschland endlich eine neue farbige Nährwertkennzeichnung eingeführt. Lebensmittelhersteller dürfen ihre Produkte freiwillig mit dem sogenannten Nutri-Score deklarieren. 

Ziel sollte sein, den Nutri-Score flächendeckend in Deutschland und darüber hinaus verbindlich in Europa einzuführen. Die EU-Kommission hat sich bereits für eine erweiterte verpflichtende Nährwertkennzeichnung ab 2022 ausgesprochen. Europäische Verbraucherorganisationen und Firmen wie Nestlé, Danone oder McCain fordern ebenfalls eine verpflichtende Einführung des Nutri-Score in Europa. Zu den Unterstützern gehören auch die Handelsketten Rewe und Kaufland. 

Auf welchen Lebensmitteln befindet sich der Nutri-Score bereits?

Einige Unternehmen kennzeichnen ihre Lebensmittel eifrig. Auf rund 1.000 Produkte konnten wir den Nutri-Score im Mai 2020 bereits finden – vor allem auf Websites, aber auch auf den Verpackungen direkt. Eine Entwicklung mit steigender Tendenz. Heute sind es bereits einige mehr. Vorreiter der Branche in Sachen Nutri-Score waren beispielsweise Alpro, Bofrost, Bonduelle, Danone, Harry Brot, Iglo, McCain, Mestemacher, Nestlé und Rewe. Bei eher nicht so gesunden Lebensmitteln sucht man das Label allerdings meist noch vergebens.

 

Stimmt denn der Nutri-Score?

Die Hersteller sind für die richtige Berechnung des Nutri-Score verantwortlich. Werden dabei Fehler gemacht, kann das lange unentdeckt bleiben. Denn eine verpflichtende Kontrolle zum Beispiel durch die Lebensmittelüberwachung gibt es nicht, solange die Angaben freiwillig sind. So stand bei der „Schoko Mousse“ der Marke Dany Sahne von Danone monatelang der falsche Nutri-Score C auf der Verpackung statt der richtigen Bewertung D, die schlechter ist. Nur durch Zufall haben wir den Fehler entdeckt.

Wenn Ihnen die Nutri-Score-Bewertung für ein Produkt seltsam vorkommt, melden Sie sich bei uns. Wir überprüfen das und gehen gegebenenfalls gegen den Anbieter vor.

Was ist der Nutri-Score?

Der Nutri-Score ist eine farbliche Nährwertkennzeichnung, die verschiedene Eigenschaften eines Lebensmittels zusammenfasst und auf einer fünfstufigen Skala – von einem grünen A bis zu einem roten E – bewertet. In die Punkteliste fließen nicht nur einzelne Komponenten wie Zucker oder Fett ein, sondern auch der Obst- oder Gemüseanteil im gesamten Lebensmittel. Der Nutri-Score wird jeweils vorne auf die Verpackung eines Lebensmittels gedruckt. Hinten sind wie gewohnt  die Nährwertkennzeichnung und die Zutatenliste zu finden. Die Informationen beziehen sich jeweils auf 100 Gramm  bzw. 100 Milliliter.

Wer hat den Nutri-Score erfunden?

Der Nutri-Score wurde von unabhängigen Ernährungswissenschaftlern entwickelt. Bereits seit 2017 wird die Kennzeichnung für verarbeitete Lebensmittel in Frankreich verwendet. Allerdings muss man – genau wie in Deutschland – die Produkte noch in den Regalen suchen. Die französische Regierung empfiehlt Lebensmittelherstellern, die Kennzeichnung anzuwenden. Der Einsatz ist aber – wie in Deutschland auch – bislang freiwillig. Leider ist kein Anbieter verpflichtet, seine Erzeugnisse mit dem Nutri-Score zu kennzeichnen.

Wie werden beim Nutri-Score die Punkte verteilt?

Um den Nutri-Score eines Lebensmittels zu berechnen, werden die Mengen verschiedener Inhaltsstoffe in 100 Gramm bzw. 100 Milliliter des Produkts ermittelt. Dabei werden auf der einen Seite Nährstoffe einbezogen, die negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben können: der Energiegehalt, Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz (Natrium). Auf der anderen Seite werden auch Eigenschaften des Produkts berücksichtigt, die eine positive gesundheitliche Wirkung haben können. Dabei handelt es sich um den Ballaststoff- und Eiweißgehalt sowie den Anteil an Obst, Gemüse und Nüssen. Für die verschiedenen Inhaltsstoffe gibt es Punkte, die eine Gesamtpunktzahl ergeben, aus der wiederum die Bewertung auf der Skala von grün und „A“ bis rot und „E“ abgeleitet wird.

Welche Nachteile hat der Nutri-Score?

Der Nutri-Score ist kein umfassendes Bewertungssystem für Lebensmittel. Methoden, die Dinge vereinfachen, haben naturgemäß auch Lücken. Daran kann man nichts ändern. Neben den vielen Befürwortern gibt es auch Kritiker. Sie bemängeln:

  • Vereinfachung: Der Score berücksichtige nicht alle wertgebenden Inhaltsstoffe, zum Beispiel Vitamine, Mineralstoffe oder ungesättigte Fettsäuren. Deshalb sei der Nutri-Score in der Bewertung zu sehr vereinfacht und würde der Vielfalt an Eigenschaften eines Lebensmittels, die Auswirkungen auf die Gesundheit haben, nicht gerecht werden.
    Wir meinen: Ohne Vereinfachung kann eine Bewertung auf einen Blick nicht gelingen.

  • Zusatzstoffe: Zahlreiche Zusatzstoffe, wie Geschmacksverstärker, Süßstoffe oder Aromen, berücksichtige der Nutri-Score nicht. Hersteller könnten die Bewertung ihrer Produkte dadurch verbessern, dass sie mehr Zusatzstoffe einsetzen, um beispielsweise den Fettanteil zu verringern.
    Wir meinen: Hier hilft ein Blick auf die Zutatenliste weiter.

  • Nachhaltigkeit: Die regionale Herkunft, der ökologische Anbau oder Gentechnikfreiheit würden nicht bewertet, obwohl diese Aspekte vielen Kunden wichtig sind.
    Wir meinen: Dafür gibt es zusätzliche Label wie z.B. „Bio“ auf dem Etikett.

  • Freiwilligkeit: Die Kennzeichnung sei in der Europäischen Union nicht verpflichtend. Da der Nutri-Score bisher nur von wenigen Herstellern eingeführt würde, sei der Vergleich zwischen verschiedenen Lebensmitteln noch nicht möglich.
    Wir meinen: Der Nutri-Score sollte für alle verpflichtend werden.

  • Nachvollziehbarkeit: Den Ampelcheck könne man einfach und unkompliziert selbst durchführen, mit Hilfe einer Checkkarte sogar vor Ort  im Supermarkt. Das ginge beim Nutri-Score nicht immer, z.B. wenn man den Gehalt an Obst und Gemüse nicht kennen würde.
    Wir meinen: Der Nutri-Score ist umfassender als die Ampel, daher ist auch die Berechnung komplizierter.

Unser Standpunkt

Ein vereinfachtes Kennzeichnungssystem für Lebensmittel war überfällig. Wir begrüßen die Einführung des Nutri-Score in Deutschland. Durch die Farbabstufungen ist leicht zu erkennen, wo Zucker- und Fettfallen lauern. Unterschiedliche Kekssorten, Joghurts oder Limonaden lassen sich gut gegenüberstellen, da sich der Nutri-Score auf 100 Gramm bzw. 100 Milliliter bezieht. Die Kennzeichnung mit dem Nutri-Score hilft Verbrauchern, gesündere und ausgewogenere Lebensmittel einzukaufen. Nur so schaffen wir es, Übergewicht, ernährungsbedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes besser in den Griff zu bekommen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen die Vorzüge des Nutri-Score-Modells und dessen positive Effekte. In anderen Ländern der Europäischen Union wie Frankreich oder Belgien ist der Nutri-Score bereits etabliert. Darüber hinaus kann der Nutri-Score Lebensmittelhersteller motivieren, die Rezepturen ihrer Produkte zu verändern und die Nährwerte ausgewogener zu gestalten. 

Ziel sollte es sein, eine farbliche Kennzeichnung von Fertiglebensmitteln in Form des Nutri-Score europaweit durchzusetzen – und zwar verpflichtend.

Bücher und Broschüren