Nährwertampel: Was kann der neue Nutri-Score und was nicht?

Viele Menschen möchten Zuckerbomben und Fettfallen sowie den Gesundheitswert von Lebensmitteln auf den ersten Blick erkennen können. Die Ampel als vereinfachte farbliche Nährwertkennzeichnung wurde leider abgeschmettert. Nun gibt es etwas Neues: eine Farbskala namens Nutri-Score. Was steckt dahinter?  

Verschiedene Lebensmittel auf Waage zwischen Nutri-Score

Das Wichtigste in Kürze

  1. Der Nutri-Score ist eine fünfstufige, farbliche Nährwertkennzeichnung, die dabei helfen kann, eine bessere Ernährung umzusetzen und Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf- Erkrankungen vorzubeugen.
  2. In Deutschland wollen vorerst die Unternehmen Danone, Iglo, Bofrost  und Mestemacher  ihre Produkte  mit dem Nutri-Score kennzeichnen. Einige Produkte mit Nutri-Score sind bereits im Handel erhältlich.
  3. Der Nutri-Score ist nicht perfekt. Die Skala beantwortet nicht alle Ernährungsfragen, ist aber ein gutes Hilfsmittel, um den Nährwert eines Lebensmittels auf einen Blick zu erkennen. 
  4. Die Verbraucherzentrale Hamburg beantwortet die wichtigsten Fragen zum Nutri-Score.
Stand: 14.03.2019

Was ist der Nutri-Score?

Der Nutri-Score ist eine farbliche Nährwertkennzeichnung, die verschiedene Eigenschaften eines Lebensmittels zusammenfasst und auf einer fünfstufigen Skala – von einem grünen A bis zu einem roten E – bewertet. Diese Punkteliste bewertet also nicht nur einzelne Komponenten, wie Zucker oder Fett, sondern auch den Obst- oder Gemüseanteil im gesamten Lebensmittel. Der Nutri-Score wird jeweils vorne auf die Verpackung eines Lebensmittels gedruckt. Hinten sind wie gewohnt  die Nährwertkennzeichnung und die Zutatenliste zu finden. Die Informationen beziehen sich jeweils auf 100 Gramm  bzw. 100 Milliliter.

Warum ein Nutri-Score?

Der Nutri-Score ist ein Hilfsmittel,  um möglichst schnell den gesundheitlichen Wert eines Lebensmittels beurteilen und unterschiedliche Lebensmittel miteinander vergleichen zu können. Kekse, Joghurts oder Limonaden lassen sich gut gegenüberstellen, da sich der Nutri-Score auf 100 Gramm bzw. 100 Milliliter bezieht. Verbraucher sollen mit Hilfe der Skala beim Einkauf eine bewusste Entscheidung für eine gesünderes Produkt treffen können.

Darüber hinaus soll der Nutri-Score Lebensmittelhersteller motivieren, gesündere Produkte zu entwickeln. Denn eine gute Bewertung durch den Nutri-Score kann ein Einkaufskriterium sein. Wir hoffen sehr, dass die Hersteller ihre Rezepturen überarbeiten und ihre Produkte gesünder gestalten, um sich zu profilieren.

Wer hat den Nutri-Score erfunden?

Der Nutri-Score wurde von unabhängigen Ernährungswissenschaftlern entwickelt. Bereits seit 2017 wird die Kennzeichnung für verarbeitete Lebensmittel in Frankreich verwendet. Allerdings muss man – genau wie in Deutschland – die Produkte noch in den Regalen suchen. Die französische Regierung empfiehlt Lebensmittelherstellern, die Kennzeichnung anzuwenden. Der Einsatz ist aber – wie in Deutschland auch – bislang freiwillig. Leider ist kein Anbieter verpflichtet, seine Erzeugnisse mit dem Nutri-Score zu kennzeichnen.

In Frankreich wurde untersucht, wie Kunden am einfachsten gesunde Lebensmittel erkennen können. Der Nutri-Score schnitt immer am besten ab: Nutri-Score - It's easier to eat better (auf Englisch).

Wie werden beim Nutri-Score die Punkte verteilt?

Um den Nutri-Score eines Lebensmittels zu berechnen, werden die Mengen verschiedener Inhaltsstoffe in 100 Gramm bzw. 100 Milliliter des Produkts ermittelt. Dabei werden auf der einen Seite Nährstoffe einbezogen, die negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben können: der Energiegehalt, Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz (Natrium). Auf der anderen Seite werden auch Eigenschaften des Produkts berücksichtigt, die eine positive gesundheitliche Wirkung haben können. Dabei handelt es sich um den Ballaststoff- und Eiweißgehalt sowie den Anteil an Obst, Gemüse und Nüssen. Für die verschiedenen Inhaltsstoffe gibt es Punkte, die eine Gesamtpunktzahl ergeben, aus der wiederum die Bewertung auf der Skala von grün und „A“ bis rot und „E“ abgeleitet wird.

Auf welchen Lebensmitteln befindet sich schon der Nutri-Score?

Der Nutri-Score ist zur Kennzeichnung von verarbeiteten Lebensmitteln gedacht und wird erst einmal von einzelnen Lebensmittelherstellern freiwillig eingeführt. Danone, Iglo, Bofrost und der Brot- und Backwarenhersteller Mestemacher haben damit begonnen. Einzelne Produkte  sind schon jetzt mit der Kennzeichnung im Supermarkt zu finden.

Danone nennt als Ziel, den Nutri-Score bis Ende 2019 auf 90 Prozent aller in Deutschland verkauften Lebensmittel aufzudrucken. Iglo plant, die ersten gekennzeichneten Produkte im zweiten Quartal des Jahres in die Läden zu bringen. Die Bewertungen aller Produkte sind allerdings schon jetzt auf der Internetseite des Unternehmens und über die App „Open Food Facts“ zugänglich. Auch Bofrost zeigt den Nutri-Score bereits auf seiner Website an.

Welche Nachteile hat der Nutri-Score?

Der Nutri-Score ist kein umfassendes Bewertungssystem für Lebensmittel. Methoden, die Dinge vereinfachen, haben naturgemäß auch Lücken. Das meinen die Kritiker:

  • Vereinfachung: Der Score berücksichtigt nicht alle wertgebenden Inhaltsstoffe, zum Beispiel Vitamine, Mineralstoffe oder ungesättigte Fettsäuren. Deshalb ist der Nutri-Score in der Bewertung zu sehr vereinfacht und wird der Vielfalt an Eigenschaften eines Lebensmittels, die Auswirkungen auf die Gesundheit haben, nicht gerecht.
  • Zusatzstoffe: Zahlreiche Zusatzstoffe, wie Geschmacksverstärker, Süßstoffe oder Aromen, berücksichtigt der Nutri-Score nicht. Hersteller könnten die Bewertung ihrer Produkte dadurch verbessern, dass sie mehr Zusatzstoffe einsetzen, um beispielsweise den Fettanteil zu verringern. Ein Blick auf die Zutatenliste bleibt daher notwendig.
  • Nachhaltigkeit: Die regionale Herkunft oder der ökologische Anbau oder Genetechnikfreiheit werden nicht bewertet, obwohl diese Aspekte vielen Kunden wichtig sind.
  • Freiwilligkeit: Die Kennzeichnung ist in der Europäischen Union nicht verpflichtend. Da der Nutri-Score bisher nur von wenigen Herstellern eingeführt wird, ist der Vergleich zwischen verschiedenen Lebensmitteln noch nicht möglich. Ob sich in der Zukunft mehr Hersteller anschließen und den Nutri-Score einführen, bleibt abzuwarten.
  • Nachvollziehbarkeit: Den Ampelcheck kann man einfach und unkompliziert selbst durchführen, mit Hilfe einer Checkkarte sogar vor Ort  im Supermarkt. Das geht beim Nutri-Score leider nicht. Die Informationen zu den Inhaltsstoffen, zum Beispiel der Gehalt von Obst und Gemüsegehalt in Prozent, lassen sich auf der Verpackung nicht finden.

Welche weiteren Meinungen gibt es?

  • „Das in Frankreich eingeführte System Nutri-Score biete die Chance, positive und negative Elemente von Fertigprodukten in einem einzigen Wert erkennbar zu machen.“
    Klaus Müller, Vorstand Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Zitat auf www.topagrar.com, gesehen am 21.03.2019
  • "Wir alle wollen das Gleiche: Dass die Menschen Spaß am Essen haben. Aber auch, dass sie damit ihre Gesundheit nicht gefährden. ... Es gibt keinen mündigen Verbraucher, der das so gut weiß. Wir müssen es ihm leichter machen, und das muss durch eine einfache Kennzeichnung unterstützt werden." Prof. Dr. med. Hans Hauner,  Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin, TU München und Deutsche Diabetesgesellschaft, Zitat bei www.br.de, gesehen am 21.03.2019
  • „Eine leicht verständliche Nährwertkennzeichnung steht im Einklang mit der Strategie von Danone, sich für die Entwicklung von gesünderen Ess- und Trinkgewohnheiten einzusetzen. Wir wollen Konsumenten mit unseren Marken begeistern und sie gleichzeitig dabei unterstützen, bewusstere Entscheidungen beim Einkaufen zu treffen. Nutri-Score bietet die Chance, dass Wissenschaft, Verbraucherschützer, Politik und Unternehmen für mehr Transparenz und bessere Ernährung an einem Strang ziehen.“
    Richard Trechman, Country Manager Danone DACH, Zitat auf www.danone.de, gesehen am 21.03.2019
  • „Im Rahmen unseres Vollsortiments mit rund 800 Eiskrem- und Tiefkühlspezialitäten bieten wir als Direktvertrieb unseren Kunden mit der Einführung des Nutri-Scores eine wichtige Entscheidungshilfe bei der Wahl ihrer Lebensmittel. Damit schaffen wir in Bezug auf unsere Produkte ein großes Maß an Transparenz und helfen unseren Kunden sich bewusst und individuell ausgewogen zu ernähren.“
    Dr. Andreas Bosselmann, Leiter Qualitätsmanagement International bei Bofrost, Zitat auf www.bofrost.de, gesehen am 21.03.2019
  • „Wir sind uns mit den Befürwortern des Nutriscore darin einig, dass es für die Verbraucher schneller und einfacher ersichtlich sein muss, ob es sich um ein qualitativ hochwertiges  Lebensmittel handelt oder nicht. Gemeinsam geht es uns darum, die Transparenz zu erhöhen. Aus unserer Sicht sollte der Nutriscore allerdings auch möglicherweise eingesetzte Zusatzstoffe und Aromen berücksichtigen.“  Friederike Ahlers, Firma Frosta Tiefkühlkost GmbH; per Mail am 21.03.2019

Unser Fazit

Wir brauchen dringend ein vereinfachtes Kennzeichnungssystem für Lebensmittel, denn die derzeitigen Informationen auf Etiketten finden viele Verbraucher zu kompliziert. Daher ist der Nutri-Score ein Schritt in die richtige Richtung. Kein vereinfachtes System kann allumfassend sein. Als weitere Informationsquelle stehen die Zutatenliste, die Nährwerttabelle oder Label (z.B. Bio oder gentechnikfrei) auf dem Etikett.

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