Inkassounternehmen pfeift auf Corona-Regeln

Hausbesuche bei säumigen Kunden gehören zum Geschäft von Inkassounternehmen. Aber ist das in Zeiten der Corona-Krise überhaupt vertretbar? Einige Unternehmen halten hartnäckig an dieser Praxis fest und berechnen für ihre Hausbesuche sogar noch extra Gebühren.

Mann klingelt an einer Haustür

Das Wichtigste in Kürze

  1. Das Recht, die Wohnung eines Schuldners zu betreten, hat grundsätzlich nur ein Gerichtsvollzieher aufgrund eines Gerichtsbeschlusses.
  2. Mitarbeiter von Inkassounternehmen haben dieses Recht nicht. Schuldner sollten sich von der Ankündigung eines Hausbesuches nicht ins Bockshorn jagen lassen.
  3. Die Kosten für einen Hausbesuch trägt grundsätzlich nicht der Schuldner, sondern das Inkassounternehmen selbst.
Stand: 07.01.2021

Exemplarisch ist der Fall eines Verbrauchers aus Hamburg. Dieser erhielt am 5. Dezember 2020 ein Schreiben des Deutschen Inkasso Dienstes DID. In diesem kündigte das Unternehmen den Hausbesuch eines Außendienstmitarbeiters an. Dieser wolle mit dem Verbraucher über den Ausgleich einer noch ausstehenden Forderung von rund 900 Euro sprechen. Sollte der Verbraucher die Schuld jedoch in den kommenden Tagen begleichen, würde das Unternehmen von einem Hausbesuch absehen.

Aus unserer Sicht ist ein Hausbesuch in Zeiten der Corona-Krise unverantwortlich. Unter dem Druck der offenen Forderung fühlen sich Schuldner häufig verpflichtet, solchen Besuchen zuzustimmen. Das Unternehmen riskiert damit sowohl die Gesundheit des Schuldners als auch der eigenen Mitarbeiter.

Unser Rat

Lassen Sie sich von Schreiben, in denen Inkassounternehmen einen Besuch androhen, nicht erschrecken. Diese entbehren jeglicher gesetzlichen Grundlage. Schuldner sind nicht verpflichtet, Mitarbeiter von Inkassounternehmen in ihre Wohnung zu lassen. Das Recht, die Wohnung eines Schuldners zu betreten, haben grundsätzlich nur Gerichtsvollzieher aufgrund eines Gerichtsbeschlusses.

Extra Gebühren für Hausbesuch

Andere Unternehmen stellen dem Schuldner diese Hausbesuche sogar extra in Rechnung. Die offene Forderung wird auf diese Weise noch weiter aufgebläht. Dabei muss das Inkassounternehmen für die Kosten eines Hausbesuches grundsätzlich selbst aufkommen. Diese sind keine notwendigen Kosten der Rechtsverfolgung und damit auch nicht vom Schuldner zu ersetzen.

Machen Sie den Inkasso-Check

Sie haben einen Inkassobrief erhalten? Machen Sie den Inkasso-Check! Mit unserem Check bieten wir Ihnen quasi ein Erste-Hilfe-Kit für den Notfall, das Sie schnell zur Hand haben und einfach bedienen können. Sie müssen dafür lediglich online einige Fragen beantworten und erhalten am Ende eine individuelle rechtliche Ersteinschätzung sowie einen eigens erstellten Musterbrief, mit dem Sie sich – falls notwendig – an das Inkassounternehmen wenden können.

Bücher und Broschüren