Pfändung frei für P-Konten!

Ohne Not befristen viele Kreditinstitute höhere Freibetragsgrenzen für Pfändungsschutzkonten. Dass die Fristen abzulaufen drohen und sich dadurch der pfändungsfreie Geldbetrag verringert, teilen sie ihren Kunden aber oft nicht kurz vor Fristablauf mit. Bei einem Betroffenen wurden daher 290 Euro an einen Gläubiger abgeführt, obwohl das Geld eigentlich nicht pfändbar war.

Schriftzug Bank auf grauem Beton

Das Wichtigste in Kürze

  1. Viele Kreditinstitute wie zum Beispiel die Deutsche Bank, die Postbank oder auch die Hamburger Sparkasse (Haspa) befristen höhere Freigrenzen für Pfändungsschutzkonten.
  2. Die Befristung hat zur Folge, dass nach dem Ablauf eines bestimmten Zeitraums Geld an Gläubiger abgeführt wird, das eigentlich nicht pfändbar ist. Dass die Frist bald abläuft, teilen Banken und Sparkassen ihren Kunden oft nicht mit.
  3. Verbraucher sollten mögliche Fristen für ihr P-Konto beim jeweiligen Kreditinstitut erfragen.
Stand: 09.09.2019

Die Gültigkeitsdauer von Bescheinigungen zur Erhöhung des Grundfreibetrags auf Pfändungsschutzkonten (P-Konto-Bescheinigung) ist gesetzlich nicht geregelt. Viele Banken und Sparkassen legen trotzdem interne Laufzeiten fest, informieren ihre Kunden aber kurz vor Fristablauf nicht darüber, dass die Bescheinigung abzulaufen droht und sich dadurch der Pfändungsfreibetrag des Kontos verringert. 

Von Problemen mit P-Konto-Bescheinigungen berichten uns zurzeit vor allem Verbraucher, die Kunde bei der Postbank, der Deutschen Bank oder der Haspa sind. Wenn Sie ein P-Konto haben, sollten Sie also besser eine mögliche Frist bei Ihrem Kreditinstitut erfragen.

Banken informieren nicht über Ablauf von Bescheinigungen

Die Banken und Sparkassen teilen Kontoinhabern vor Ablauf der Frist anscheinend nicht mit, dass sie ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch über den pfändungsfreien Sockelbetrag in Höhe von 1.178,59 Euro pro Monat verfügen können. Höhere Freibeträge, die den Betroffenen eigentlich für weitere Personen in ihrem Haushalt zustünden, sind nach Ablauf einer P-Konto-Bescheinigung zur Pfändung freigegeben. Lediglich für unterhaltsberechtigte Kinder gelten die Bescheinigungen grundsätzlich bis zum Datum der Volljährigkeit. 

Gut zu wissen

Auf einem Pfändungsschutzkonto ist für jeden Kalendermonat eine bestimmte Geldsumme als Grundfreibetrag pfändungsfrei. Der Sockelbetrag in Höhe von 1.178,59 Euro ist ohne Bescheinigung für jeden Kalendermonat automatisch pfändungsfrei gestellt und damit vor dem Zugriff von Gläubigern geschützt.

Hat man gesetzliche Unterhaltsverpflichtungen, lebt in einer Bedarfsgemeinschaft im Sinne des Sozialgesetzbuch II, erhält bestimmte andere Sozialleistungen oder Kindergeld, können über den Grundfreibetrag hinausgehende, weitere Freibeträge zusätzlich pfändungsfrei gestellt werden. Hierfür muss eine sogenannte P-Konto-Bescheinigung vorgelegt werden, die der Arbeitgeber, die Familienkasse, Sozialleistungsträger oder anerkannte Stellen im Sinne der Insolvenzordnung ausstellen, wie beispielsweise die Verbraucherzentrale Hamburg.

Verzweifelte Verbraucher in der Schuldnerberatung

Viele Betroffene kommen völlig verzweifelt zu uns in die Schuldnerberatung, weil sie plötzlich Miete und Strom nicht mehr bezahlen können. In einem uns vorliegenden Fall hatte das Kreditinstitut die Gültigkeit einer Bescheinigung für eine höhere Freigrenze auf ein Jahr befristet. Bei dem betroffenen Kunden wurden nach dem vermeintlichen Ablauf der Bescheinigung keine weiteren Freibeträge mehr beim Pfändungsschutz seines Kontos berücksichtigt – und das trotz weiterhin bestehender Unterhaltspflichten. Dies hatte zur Folge, dass rund 290 Euro an einen Gläubiger abgeführt wurden, obwohl das Geld eigentlich nicht pfändbar war. Wir finden: 290 Euro sind für Menschen mit Schulden viel Geld.

Würden Banken und Sparkassen über den drohenden Ablauf einer P-Konto-Bescheinigung zeitnah informieren, so könnten sich die Kontoinhaber fristgerecht eine neue Bescheinigung für einen erhöhten Pfändungsschutz ausstellen lassen. Wir können nicht nachvollziehen, weshalb Kreditinstitute ihren Kunden diese existenzsichernden Informationen kurz vor Ablauf der Frist verwehren.

Unser Angebot

Unsere Schuldnerberatung hilft weiter, wenn Sie Probleme mit dem P-Konto haben. Unter Tel. (040) 24832-109 können Sie einen Termin für ein persönliches Beratungsgespräch vereinbaren. Die Verbraucherzentrale Hamburg ist eine der Schuldnerberatungen, die von den Behörden der Freien und Hansestadt Hamburg offiziell anerkannt sind.

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