Lenor Unstoppables – was für eine dufte Umweltbelastung

„Lenor Unstoppables“ von Procter & Gamble sollen als Wäscheparfüm für einen noch frischeren Wäscheduft sorgen. Unser Fazit: Das Produkt ist ein „worst case“ für Umwelt und Verbraucher. Hier erfahren Sie warum.

Das Wichtigste in Kürze

  1. Die stark duftenden Wäschekügelchen „Lenor Unstoppables“ werden vom Hersteller Procter & Gamble als Produktinnovation angepriesen. Die „Wäscheperlen“ sind jedoch sehr teuer und für die Umwelt eine Belastung.
  2. Das Produkt enthält mehrere möglicherweise allergieauslösende Wirkstoffe, die auf der Verpackung allerdings kaum lesbar sind.
  3. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, auf den Einsatz von Wäscheparfüm zu verzichten. Herkömmliche Waschmittel reichen für eine saubere Wäsche völlig aus.
Stand: 16.09.2016

Procter & Gamble hält seit einiger Zeit eine Produktinnovation für uns bereit: die „Lenor Unstoppables“. Das sind Wäscheparfüm-„Perlen“, die für einen noch frischeren Wäscheduft sorgen sollen und – laut Werbung von Procter & Gamble dürfen wir uns über „bis zu 12 Wochen ultimative Frische“ freuen. Die Einschränkung folgt gleich in der Fußnote: „im Schrank“. Wir haben das Produkt unter die Lupe genommen:

Umweltschädigend: gar nicht sauber für die Umwelt

Laut Herstellerangabe sollen einer Waschladung bis zu drei Kappen Duftperlen hinzugefügt werden – zusätzlich zum normalen Waschmittel und Weichspüler. Ziemlich übertrieben finden wir das und einen „worst case“ für die Umwelt! Die einzelnen Duftstoffe sind problematisch:

  • Limonen ist als „schädlich für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung“ eingestuft und biologisch nicht gut abbaubar.
  • Tetramethyl Acetyloctahydronaphthalenes ist ebenfalls nicht gut abbaubar und ökotoxisch. Als künstliche Moschusverbindung kann sich der Duftstoff voraussichtlich in Wasserorganismen und im Fettgewebe anreichern; er gilt als Problemstoff. Auch kleine in die Umwelt abgegebene Stoffmengen können sich in vergleichsweise hohen Konzentrationen in Tieren und im Menschen wiederfinden.

Unsäglich ist daher aus unserer Sicht das offizielle Werbevideo zum Produkt. Die „Wäscheexpertin“ Amy Sedaris überfüllt die Dosierkappe und wirft eine große Menge der „Perlen“ in die Waschmaschine. Auch wenn die Frau im echten Leben eine US-amerikanische Komikerin ist, vergeht uns bei diesem Clip wirklich das Lachen. Procter & Gamble erweckt den Anschein, dass dieses Wäscheparfüm vollkommen harmlos ist und in großen Mengen dosiert werden kann.

Doch das Gegenteil ist der Fall: Jeder Einsatz der kleinen „Perlen“ stellt eine unnötige Belastung für unsere Umwelt dar. Auch wenn Werbung nicht zu ernst genommen werden sollte, gehen von diesem Video ganz falsche Signale aus.

Ein weiterer Aspekt: Wer wie Procter & Gamble auf dem Papier seine ehrgeizigen Nachhaltigkeitsziele in Szene setzt, muss auch entsprechend handeln, sonst stellt der Konzern seine Glaubwürdigkeit komplett in Frage.

Vorsicht, Allergie: mehr Duft, höheres Allergierisiko

Duftstoffe sind potenzielle Allergieauslöser. Gleich fünf problematische Substanzen sind in den „Lenor Unstoppables“ enthalten:

  • Hexyl Cinnamal: Kann allergische Hautreaktionen verursachen
  • Limonen: Kann allergische Hautreaktionen verursachen
  • Citronellol: Kann allergische Hautreaktionen verursachen
  • Hexyl Salicylate: Reizt Haut und Atemwege
  • Tetramethyl Acetyloctahydronaphthalenes: Kann allergische Hautreaktionen verursachen

Bei allen Bewertungen handelt es sich um Einschätzungen des Umweltbundesamtes.

Die Wahrnehmung des Duftes ist natürlich sehr subjektiv. Eine Testwäsche sorgte für unterschiedliche Meinungen. Manche mögen den intensiven Duft, viele lehnen ihnen jedoch als aufdringlich und künstlich ab. Fakt ist: Das Wäscheparfüm zu Recherchezwecken in unserem Büro ist auf jeden Fall eine Zumutung und sorgt für Kopfschmerzen.

Überteuert: sauber abkassiert

Doch nicht nur die Umwelt, sondern auch die Verbraucher müssen teuer für das Wäscheparfüm bezahlen.

Das Wäscheparfum ist erhältlich in einem 275-Gramm-Behälter, häufig zum Preis von 6,99 Euro. Laut Herstellerangabe liegt die Dosierempfehlung bei einer Kappe. Allerdings definiert Lenor auf der Rückseite des Produkts eine Kappe mit 18 Gramm, was knapp der Hälfte der eigentlichen Kappengröße entspricht. Eine Markierung ist zwar vorhanden, diese kann aber leicht übersehen werden. Da sind Überdosierungen an der Tagesordnung!

Mit dem Inhalt einer Packung lassen sich – nimmt man die Herstellerangaben zur Grundlage – rund 15 Wäschen bestücken, verwendet man die Höchstdosierung laut Etikett (3 Kappen) sind es nur 5 Wäschen. Damit kostet die „Duftbombe“ mindestens 47 Cent pro Wäsche, bei der Höchstdosierung sogar bis zu 1,40 Euro pro Waschladung. Dies ist aus unserer Sicht ein exorbitanter Preis und macht Wäsche waschen richtig teuer.

Zum Vergleich: Kostet eine Wäsche mit Lenor Waschmittel und Weichspüler im Durchschnitt 31 Cent, so sind es mit dem Wäscheparfüm on top mindestens 78 Cent. Damit ist die Wäsche um rund 150 Prozent teurer. Wer die Höchstdosierung verwendet, zahlt pro Wäsche sogar 1,71 Euro. Mit No-Name-Kompaktwaschmittel, die in Tests oft genauso gut abschneiden wie Markenwaschmittel, und ohne Weichspüler – was aus Umweltschutzgründen zu empfehlen ist – kostet eine Waschladung nur rund 12 Cent.

Preisberechnung im Detail


Lenor Unstoppables
Preis pro Packung: 6,99 € für 275 g
Mindespreis pro Waschladung (gerundet): 0,47 € (1 Kappe)
Kosten für 3 Kappen pro Waschladung (Höchstmenge): 1,40 € (3 Kappen)


Lenor Waschmittel
Preis pro Packung: 3,75 € für 15 WL
Mindespreis pro Waschladung (gerundet): 0,25 €
Kosten für 3 Kappen pro Waschladung (Höchstmenge): 0,25 €


Lenor Weichspüler
Preis pro Packung: 1,99 € für 32 WL
Mindespreis pro Waschladung (gerundet): 0,06 €
Kosten für 3 Kappen pro Waschladung (Höchstmenge): 0,06 €


Dadurch ergeben sich Mindestkosten von 0,78 Euro pro Waschladung, bei der Verwendung von drei Kappen sogar 1,71 Euro pro Waschladung.

Kein Durchblick beim Etikett: viel zu kleine Schrift

Aufgrund der vielen problematischen Duftstoffe in dem Wäscheparfüm sind etliche Piktogramme mit Warnungen und Warnhinweisen auf der Packung vorgeschrieben. So zum Beispiel der Hinweis „schädlich für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung“. Allerdings sind diese Hinweise kaum lesbar – genauso schlecht wie die Inhaltsstoffe sowie die weiteren verpflichtenden Angaben. Nur gut einen Millimeter (!) hoch ist die Schriftgröße der Kleinbuchstaben auf dem Etikett. Dazu kommt ein unvorteilhaftes Schriftbild – die Buchstaben und Wörter stehen sehr eng beeinander. Dabei verlangt das Gesetz, dass Pflichtangaben und Warnhinweise „gut lesbar“ sein müssen.

Unser Fazit

Aus unserer Sicht sind die „Lenor Unstoppables“ von Procter & Gamble überflüssig – und das aus vielen Gründen. Das Produkt ist umweltschädlich und stellt eine zusätzliche Belastung für die Gewässer dar. Durch problematische Duftstoffe steigt das Allergierisiko für jeden, der die kleinen bunten „Perlen“ benutzt. Darüber hinaus sind die „Unstoppables“ sehr teuer und werden uns vielleicht auch deswegen als „Parfüm“ verkauft.

Wer den Duft von frisch gewaschener Wäsche, die an der frischen Luft getrocknet wurde, kennt und liebt, wird die „Unstoppables“ mit gutem Gewissen im Regal liegen lassen – bis Procter & Gamble diese vermeintliche Produktinnovation hoffentlich wieder vom Markt nimmt.