Kein Auskommen mit dem Einkommen

Kurzarbeit, fehlende Honorare oder gar Jobverlust: In Zeiten der Corona-Pandemie brechen vielen Haushalten Teile ihres Einkommens unverschuldet weg. Doch wie lassen sich auf der anderen Seite die laufenden Ausgaben senken? Im ersten Schritt hilft ein ehrlicher Kassensturz. Wir sagen Ihnen, was Sie darüber hinaus noch tun können.

Schulden: Mann mit Rechnungen in der Hand

Das Wichtigste in Kürze

  1. Wer Geldprobleme hat, sollte sich einen Überblick über Einnahmen und Ausgaben verschaffen. Hierfür eignet sich ein Haushaltsplan.
  2. Die Ausgaben sind nach Dringlichkeit zu sortieren. Welche Verträge sind überflüssig und können gekündigt werden?
  3. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, aktiv Kontakt zu den Gläubigern aufzunehmen.
Stand: 20.07.2020

Um die richtigen Entscheidungen treffen zu können, empfiehlt sich im ersten Schritt eine Ermittlung des Status Quo: Wie hoch sind die Einnahmen, welche monatlichen Ausgaben gibt es? Machen Sie eine Aufstellung, in der Sie die Ausgaben nach Notwendigkeit gewichten. Zunächst muss ausreichend Geld für die Grundversorgung da sein. Dazu zählen Wasser, Strom, Unterhaltszahlungen, Lebensmittel oder die Miete. Sollten Sie Unterstützung brauchen oder in finanzieller Not sein, hilft unsere Schuldnerberatung weiter.

Kündigungsschutz und Zahlungsaufschübe

Um die finanzielle Belastung für Verbraucher in Folge der Corona-Pandemie abzufedern, galt bis zum 30. Juni ein besonderer Kündigungsschutz für Mieter sowie ein Zahlungsausschub für Verbraucherdarlehen und Verträge zur Grundversorgung wie Telefon, Strom, Wasser oder Gas. Diese gesetzlichen Übergangsregelungen sind jetzt ausgelaufen. Das bedeutet für Sie zusammengefasst:

  • COVID-19-bedingte Mietschulden für die Monate April 2020 bis Juni 2020 müssen Sie bis spätestens 30. Juni 2022 zurückzahlen. Ab 01. Juli 2020 müssen Sie die normalen Mietzahlungen wieder aufnehmen, andernfalls drohen Ihnen zivilrechtliche Maßnahmen bis hin zur Kündigung.
  • Ab dem 01. Juli müssen Sie Ihre Verträge zur Grundversorgung wie Telefon, Strom, Wasser oder Gas wieder regulär bedienen.
  • Die COVID-19-bedingte Stundung von Verbraucherdarlehen verlängert Ihren Darlehensvertrag um den Zeitraum der Stundung von bis zu drei Monaten. Ab dem 01. Juli 2020 müssen Sie die Zahlung Ihrer monatlichen Darlehensraten also wieder aufnehmen, sofern Sie sich mit ihrer Bank nicht auf eine andere Lösung verständigt haben. Sie sind nicht verpflichtet, doppelte Ratenzahlungen zu leisten, also nachzuzahlende Raten zusätzlich zu den regulär fälligen Raten zu zahlen.

Unser Rat: Die gesetzlichen Übergangsregelungen haben vielen eine kurze Atempause verschafft. Die finanziellen Engpässe sind dadurch aber häufig nicht komplett aus der Welt. Stecken Sie aufgrund von COVID-19 weiterhin in Zahlungsschwierigkeiten, handeln Sie mit Ihren Gläubigern individuelle Möglichkeiten der Stundung von ausstehenden Zahlungen aus.

Verträge auf den Prüfstand stellen

Wie sieht es zum Beispiel mit überflüssigen Versicherungsverträgen aus? Eine Handy-, Sterbegeld- oder Glasbruchversicherung können Sie ohne weiteres kündigen. Gleiches gilt für das Fitnessstudio, in das Sie seit einem Jahr nicht mehr gegangen sind. Zumindest sollten Sie prüfen, ihre Mitgliedschaft für die Dauer der Corona-Krise auszusetzen. Bedenken Sie auf der anderen Seite aber auch, dass gerade kleinere Anbieter auf die Fortzahlung der Beiträge angewiesen sein könnten. Hier sollten Sie abwägen, ob Sie sich die Solidarität leisten können.

Wichtig: Wenn Sie diesen Schritt in Betracht ziehen, gehen Sie ihn aber auf keinen Fall eigenmächtig. Informieren Sie Ihren Vertragspartner. Suchen Sie das Gespräch. Das gilt für alle Art von Verträgen.

Private Schulden und Geldbußen

Auch über Darlehen, die Sie im Familien- oder Freundeskreis aufgenommen haben, lässt sich mit Ihren Liebsten sicher reden. Erläutern Sie Ihre Situation. Sie werden eine einvernehmliche Lösung finden.

Auch bei anderen Zahlungsverpflichtungen, wie zum Beispiel Geldbußen oder Steuerschulden, lautet unsere Empfehlung: Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Gläubiger.

Zum Weiterlesen

Die Corona-Pandemie wirbelt unseren Alltag mächtig durcheinander. Wir haben wichtige Informationen für Sie zusammengestellt, die Ihnen hoffentlich helfen, gut durch die nächsten Wochen zu kommen.
⇒ Weiterlesen: www.vzhh.de/coronavirus

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