Kein Auskommen mit dem Einkommen

Kurzarbeit, fehlende Honorare oder gar Jobverlust: In Zeiten der Corona-Pandemie brechen vielen Haushalten Teile ihres Einkommens unverschuldet weg. Doch wie lassen sich auf der anderen Seite die laufenden Ausgaben senken? Im ersten Schritt hilft ein ehrlicher Kassensturz. Wir sagen Ihnen, was Sie darüber hinaus noch tun können.

Schulden: Mann mit Rechnungen in der Hand

Das Wichtigste in Kürze

  1. Wer Geldprobleme hat, sollte sich einen Überblick über Einnahmen und Ausgaben verschaffen. Hierfür eignet sich ein Haushaltsplan.
  2. Die Ausgaben sind nach Dringlichkeit zu sortieren. Welche Verträge sind überflüssig und können gekündigt werden?
  3. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, aktiv Kontakt zu den Gläubigern aufzunehmen.
Stand: 04.05.2020

Um die richtigen Entscheidungen treffen zu können, empfiehlt sich im ersten Schritt eine Ermittlung des Status Quo: Wie hoch sind die Einnahmen, welche monatlichen Ausgaben gibt es? Machen Sie eine Aufstellung, in der Sie die Ausgaben nach Notwendigkeit gewichten. Zunächst muss ausreichend Geld für die Grundversorgung da sein. Dazu zählen Wasser, Strom, Unterhaltszahlungen, Lebensmittel oder die Miete. Sollten Sie Unterstützung brauchen oder in finanzieller Not sein, hilft unsere Schuldnerberatung weiter.

Kündigungsschutz und Zahlungsaufschübe

Um die finanzielle Belastung für Verbraucher in Folge der Corona-Pandemie abzufedern, hat die Bundesregierung neue gesetzliche Regelungen erlassen. Diese gelten seit dem 1. April. Danach kann Mietern oder Pächtern, die ihre Miete bis zum 30. Juni 2020 nicht zahlen können, nicht gekündigt werden. Ein Recht, die Miete zu verweigern, leitet sich daraus allerdings nicht ab. Die Miete bleibt weiterhin fällig, muss aber erst bis zum 30. Juni 2022 beglichen werden. Mieter müssen im Streitfall jedoch glaubhaft machen, dass die Nichtleistung der Miete auf den Auswirkungen der Corona-Pandemie beruht.

Auch für Verträge der Grundversorgung gilt bis zum 30. Juni ein sogenanntes Leistungsverweigerungsrecht. Wenn Sie Ihre existenzsichernden Verträge nicht bedienen können, geraten Sie nicht in Verzug. Das gilt für alle Verträge, die vor dem 8. März 2020 abgeschlossen wurden. Auch hier sind die Zahlungen allerdings nur aufgeschoben und müssen zu einem späteren Zeitpunkt geleistet werden.

Die neuen Regelungen erlauben es Ihnen auch, die Raten eines Kredites für die Zeit von April bis Juni 2020 auszusetzen und zu einem späteren Zeitpunkt nachzuzahlen. Dies gilt von Kleinstkrediten bis hin zu Krediten zur Immobilienfinanzierung. Die Verträge müssen allerdings vor dem 15. März 2020 abgeschlossen sein.

Unser Rat: Überlegen Sie es sich gut, ob Sie sich auf die neuen gesetzlichen Regelungen berufen wollen. Diese verschaffen Ihnen zwar eine kurze Atempause, befreien Sie aber nicht von den Kosten. Diese sind nur aufgeschoben und müssen zu einem späteren Zeitpunkt bedient werden. Versuchen Sie lieber, an anderer Stelle Ihre Einnahmen zu reduzieren.

Verträge auf den Prüfstand stellen

Wie sieht es zum Beispiel mit überflüssigen Versicherungsverträgen aus? Eine Handy-, Sterbegeld- oder Glasbruchversicherung können Sie ohne weiteres kündigen. Gleiches gilt für das Fitnessstudio, in das Sie seit einem Jahr nicht mehr gegangen sind. Zumindest sollten Sie prüfen, ihre Mitgliedschaft für die Dauer der Corona-Krise auszusetzen. Bedenken Sie auf der anderen Seite aber auch, dass gerade kleinere Anbieter auf die Fortzahlung der Beiträge angewiesen sein könnten. Hier sollten Sie abwägen, ob Sie sich die Solidarität leisten können.

Wichtig: Wenn Sie diesen Schritt in Betracht ziehen, gehen Sie ihn aber auf keinen Fall eigenmächtig. Informieren Sie Ihren Vertragspartner. Suchen Sie das Gespräch. Das gilt für alle Art von Verträgen.

Private Schulden und Geldbußen

Auch über Darlehen, die Sie im Familien- oder Freundeskreis aufgenommen haben, lässt sich mit Ihren Liebsten sicher reden. Erläutern Sie Ihre Situation. Sie werden eine einvernehmliche Lösung finden.

Andere Zahlungsverpflichtungen, wie zum Beispiel Geldbußen oder Steuerschulden, fallen nicht unter die neuen gesetzlichen Regelungen. Aber auch hier empfehlen wir: Gehen Sie auf Ihren Gläubiger zu und suchen Sie gemeinsam eine Lösung.

Zum Weiterlesen

Das Coronavirus breitet sich in rasanter Geschwindigkeit in Deutschland und vielen anderen Ländern der Erde aus. Die Pandemie wirbelt unseren Alltag mächtig durcheinander. Wir haben wichtige Informationen für Sie zusammengestellt, die Ihnen hoffentlich helfen, gut durch die nächsten Wochen zu kommen.
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