P-Konto: Banken müssen über Frist für höhere Freibeträge informieren

Viele Kreditinstitute befristeten jahrelang höhere Freibetragsgrenzen für Pfändungsschutzkonten. Diese Praxis ist jetzt Gesetz: P-Konten-Bescheinigungen sind seit Dezember 2021 immer auf zwei Jahre befristet. Die Banken müssen Betroffene mindestens zwei Monate vorher auf den Fristablauf hinweisen.

Schriftzug Bank auf grauem Beton

Das Wichtigste in Kürze

  1. Seit Dezember 2021 sind Freibeträge auf Pfändungsschutz-Konten (P-Konto) gesetzlich auf zwei Jahre befristet.
  2. Die Befristung hat zur Folge, dass nach dem Ablauf eines bestimmten Zeitraums Geld an Gläubiger abgeführt wird, das eigentlich nicht pfändbar ist.
  3. Banken müssen ihre Kunden mindestens zwei Monate vorher auf den Ablauf der Frist hinweisen und zudem mitteilen, wieviel Geld sie an den Gläubiger abführen.

 

Stand: 01.12.2021

Bislang legte jede Bank oder Sparkasse eigene Laufzeiten für höhere Freibetragsgrenzen auf P-Konten fest. Das Problem: In der Regel informierten die Unternehmen ihre Kunden aber nicht darüber, wenn eine Bescheinigung abzulaufen drohte und sich dadurch der Pfändungsfreibetrag des Kontos wieder auf den pfändungsfreien Sockelbetrag verringerte.
Höhere Freibeträge, die den Betroffenen eigentlich für weitere Personen in ihrem Haushalt zustehen, sind nach Ablauf einer P-Konto-Bescheinigung zur Pfändung freigegeben.

Gut zu wissen

Auf einem Pfändungsschutzkonto ist für jeden Kalendermonat eine bestimmte Geldsumme als Grundfreibetrag pfändungsfrei. Der Sockelbetrag in Höhe von 1.260 Euro ist ohne Bescheinigung für jeden Kalendermonat automatisch pfändungsfrei gestellt und damit vor dem Zugriff von Gläubigern geschützt.

Hat man gesetzliche Unterhaltsverpflichtungen, lebt in einer Bedarfsgemeinschaft im Sinne des Sozialgesetzbuch II, erhält bestimmte andere Sozialleistungen oder Kindergeld, können über den Grundfreibetrag hinausgehende, weitere Freibeträge zusätzlich pfändungsfrei gestellt werden. Hierfür muss eine sogenannte P-Konto-Bescheinigung vorgelegt werden, die der Arbeitgeber, die Familienkasse, Sozialleistungsträger oder anerkannte Stellen im Sinne der Insolvenzordnung ausstellen, wie beispielsweise die Verbraucherzentrale Hamburg.

Verzweifelte Verbraucher in der Schuldnerberatung

Viele Betroffene kamen völlig verzweifelt zu uns in die Schuldnerberatung, weil sie plötzlich Miete und Strom nicht mehr bezahlen konnten. In einem uns vorliegenden Fall hatte das Kreditinstitut die Gültigkeit einer Bescheinigung für eine höhere Freigrenze auf ein Jahr befristet. Bei dem betroffenen Kunden wurden nach dem vermeintlichen Ablauf der Bescheinigung keine weiteren Freibeträge mehr beim Pfändungsschutz seines Kontos berücksichtigt – und das trotz weiterhin bestehender Unterhaltspflichten. Dies hatte zur Folge, dass rund 290 Euro an einen Gläubiger abgeführt wurden, obwohl das Geld eigentlich nicht pfändbar war.

Unser Angebot

Unsere Schuldnerberatung hilft weiter, wenn Sie Probleme mit dem P-Konto haben. Unter Tel. (040) 24832-109 können Sie einen Termin für ein persönliches Beratungsgespräch vereinbaren. Die Verbraucherzentrale Hamburg ist eine der Schuldnerberatungen, die von den Behörden der Freien und Hansestadt Hamburg offiziell anerkannt sind.

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