Mogelpackungen: Jede Menge Luft nach oben

Große Packung, kleiner Inhalt und meist viel mehr Luft als erlaubt. Ein Dauerärgernis für viele Menschen. Unsere aktuellen Röntgenbilder zeigen eindrucksvoll, wie Verbraucher mit Luftpackungen hinters Licht geführt werden und wie dringend geboten konkrete gesetzliche Regelungen sind.

Das Wichtigste in Kürze

  1. Luftpackungen sind für viele Verbraucher ein großes Ärgernis, doch die gesetzlichen Vorschriften sind lax und nicht klar genug.
  2. Viele Hersteller halten nicht einmal die gesetzlichen Vorgaben ein und täuschen mehr Inhalt mit überdimensionierten Verpackungen vor.
  3. Die Verbraucherzentrale veröffentlicht regelmäßig Hinweise zu Luftpackungen und entlarvt die Maschen der Anbieter mit Hilfe von Röntgenaufnahmen.
Stand: 20.11.2018

Luftpackungen sind für viele Menschen ein besonderes Ärgernis, weil sie den Eindruck erwecken, man bekäme viel Produkt für sein Geld. Hunderte Verbraucherbeschwerden erhalten wir deswegen jedes Jahr. Da kann es nicht sein, dass viele Hersteller die ohnehin schon laxen gesetzlichen Vorgaben nicht einmal einhalten.

Weil die Verpackungsgröße einen entscheidenden Einfluss auf die Kaufentscheidung habe, umgibt die Industrie ihre Produkte gerne mit unverhältnismäßig viel Luft. Doch angesichts des unnötigen Verpackungsmülls wird das in den Nachhaltigkeitsberichten vieler Unternehmen schön ausformulierte Umweltengagement zum reinen Lippenbekenntnis.

Neuigkeiten zum Thema

Immer wieder melden sich Verbraucher bei uns, weil sie sich über Luftpackungen ärgern. Ob Kaffeekapsel, Kakaopulver oder Kekse wir veröffentlichen hier regelmäßig aktuelle Beispiele. Zu den aktuellen Meldungen.

 

Welche sind die Tricks der Hersteller?

1. Sichtfenster: Scheinbare Transparenz

Ein beliebter Trick ist die Verwendung eines Sichtfensters auf der Verpackung. Mit diesem wollen die Hersteller den Vorwurf, dass die überdimensionierte Packung mehr Inhalt vortäuscht, entkräften. Doch erfüllt das Sichtfenster nicht immer seinen Zweck, die tatsächliche Menge in der Packung für den Verbraucher sichtbar zu machen. Denn häufig ist durch das Sichtfenster nämlich gar nicht die Befüllungsgrenze erkennbar. Meist liegt sie nur knapp oberhalb des Sichtfensters.

2. Schutzatmosphäre schützt nicht vor halbleeren Packungen

Viele Verpackungen werden mit Luft oder einem anderen Gasmischung aufgepumpt. So erscheint die Verpackung prall gefüllt, auch wenn sie tatsächlich halb leer ist. Zwar ist es sinnvoll, leicht zerbrechliche Lebensmittel wie Chips zu schützen, doch wir vermuten, dass viele Hersteller diesen Trick bewusst nutzen, um möglichst wenig Inhalt einzufüllen.

Ein besonders dreister Fall sind die Kaffeekapseln „Bellarom Azzurro Lungo“ von Lidl. Hier verlieren sich 52 Gramm Kaffee in einer Verpackung, die in ihrer Größe einem normalen 500-Gramm-Kaffeepaket entspricht. Lidl produziert damit einen Müllberg sondergleichen.

3. Weniger drin – Packungsgröße gleich

Von Jahr zu Jahr werden viele Verpackungen zunehmend „luftiger”. Denn: Es ist bei Herstellern besonders beliebt, die Packungen mit weniger Inhalt zu befüllen, die Größe des Kartons oder der Tüte drumherum aber nicht anzupassen. Wer da nicht genau auf die Mengenangabe schaut, wird schnell hinters Licht geführt.

Prinzipiell schreibt eine Verwaltungsvorschrift zur Gestaltung von Fertigpackungen vor, dass „die Verringerung der Füllmenge einer Fertigpackung gegenüber der bisherigen Nennfüllmenge (…) um eine erheblichen Betrag der Füllmenge zur Einstufung als Mogelpackung führt, wenn das Leervolumen nicht prozentual um etwa das gleiche Volumen reduziert wird (…)“. Wegen der wenigen Kontrollen und der wachsweichen Vorgabe „erheblicher Betrag“ bleiben solche Mogelpackungen meist ohne Ahndung.

Welche Vorschriften gibt es für Verpackungen?

Nicht jede übergroße Verpackung ist verboten. Eine echte Luftpackung ist es erst, wenn das Missverhältnis zwischen Inhalt und Umfang Verbrauchern ein besseres Preis-Leistungsverhältnis vortäuscht.

Die Gesetzeslage zu Luftpackungen ist schwammig und für einen Laien kaum zu durchschauen. Als Richtwert für die Beurteilung von Verpackungen gilt die 30-Prozent-Grenze für den Luftanteil. Wird dieser überschritten, lässt dies auf eine Luftpackung schließen, es sei denn er kommt produktbedingt zustande oder ist technisch unumgänglich. Weil es viele Ausnahmen und Sonderfälle gibt, muss jedes beanstandete Produkt im Einzelfall geprüft werden. So gelten beispielsweise für Pralinen und Kosmetika spezielle Regelungen.

Der 30-Prozent-Wert ergibt sich übrigens aus einer fast 40 Jahre alten Verwaltungsrichtlinie, die nach unserer Auffassung nicht mehr zeitgemäß ist und rechtlich unverbindlich.

Wir fordern: Es muss konkrete gesetzliche Regelungen geben, die Anbietern vorschreiben, dass Packungen vollständig zu füllen sind und nur bei technisch begründeten Ausnahmen im Einzelfall davon abgewichen werden darf. Denn: Nach aktuellen Angaben der Deutschen Umwelthilfe verursachen die Deutschen europaweit den meisten Verpackungsmüll, und Luftpackungen sind ein Teil dieses Problems. Sie belasten die Umwelt, weil Ressourcen verschwendet werden, und die überdimensionierten Behältnisse den Transport ineffizienter machen.

Pralinen: Ein Hauch von Luxus mit viel Luft

Für Pralinen in Blisterpackungen sind die Richtlinien besonders großzügig. Demnach dürfen solche Verpackungen im Verhältnis zum Inhalt bis zu sechsmal so groß sein. Beispiel: Wiegen die Pralinen 100 Gramm, darf das Verpackungsvolumen bis zu 600 Milliliter betragen. Das entspricht einem zugelassenen Luftanteil von maximal 83 Prozent. Das reizen viele Hersteller wie Mondeléz mit seinen Milka „Alles Gute Pralinés“ gerne aus. Etwa 70 Prozent Luft stecken in dieser Packung mit Schoko-Kleeblättern. Da kann auch mal ein Pralinenplatz im Karton leer bleiben.

Unser Tipp

Achten Sie beim Kauf von Pralinen in Packungen mit Einsatz (Blisterpackungen) auf die Füllmenge und den Grundpreis und lassen Sie sich nicht von den oft überdimensionierten Verpackungen beeindrucken.

Kosmetik: So werden Verbraucher ausgetrickst

Viele Kosmetika stecken in Tiegeln mit überdicken Wandungen, haben hochgezogene Böden oder befinden sich in Umverpackungen mit Sockel und täuschen so mehr Inhalt vor. Das bedeutet aber nicht, dass diese Packungen automatisch Luftpackungen sind. Ohne Umverpackungen dürfen etwa Tiegel oder Tube bei Körperpflegemitteln dank einer über 30 Jahre alten Richtlinie je nach Gewicht bis zu dreimal so groß sein wie ihre Füllmenge (bis zu 66 Prozent Luftanteil).

Doch sobald auf der Umverpackung die Innenverpackung, also zum Beispiel Tiegel oder Tube, in „natürlicher Größe“ dargestellt ist, gilt selbst dieser Richtwert nach einer 40 Jahr alten Vewaltungs-Richtlinie nicht mehr. Dann kann das Behältnis für Creme & Co noch viel kleiner sein. Wie das Bild links zeigt, ist dieser versteckte Hinweis jedoch nicht immer sofort zu erkennen.

Unser Tipp

Schauen Sie sich beim Kauf von Kosmetika genau die Umverpackung an und suchen Sie nach Abbildungen, die das Produkt – ob als Foto oder grafische Darstellung – in Originalgröße zeigen. Überprüfen Sie die Füllmenge und öffnen Sie, wenn es möglich ist, die Umverpackung, um sich den Inhalt „in echt“ anzuschauen.

Minipackungen in großen Beuteln

Viele Beschwerden  bekommen wir zu Verpackungen (meist Beuteln), die wiederum „Minipackungen“ enthalten. Ein Paradebeispiel sind die Skittles von Wrigley, aber auch Smarties von Nestlé, M&M's von Mars oder Pick up-Kekse von Bahlsen.

Mit diesen Produkten produzieren die Hersteller per se schon viel Müll. Zu allem Übel sind die Packungen aus unserer Sicht jedoch auch noch unzureichend gefüllt. Das Eichamt Fellbach sieht das anders. Nach Einschätzung der Behörde liegt in diesen Fällen kein Verstoß gegen die allgemeinen Vorgaben vor. Dennoch denken wir, dass dieser Verpackungsmüll unnötig ist und reduziert werden könnte.

Waschmittel: In viel zu großen Kartons und Flaschen

Viele Verbraucher ärgern sich über Flüssigwaschmittel in überdimensionierten Flaschen oder Pulver in zu großen Kartons – vor allem in Jumbopackungen (XXL) –, die nur zu zwei Dritteln gefüllt sind. Doch etliche davon sind rein rechtlich keine Luftpackung. Warum? Die Vorgaben zum Eichrecht gelten zum Zeitpunkt der Abfüllung. Das hat vor allem Auswirkungen für pulverförmige Waschmittel bzw. Lebensmittel, die im Laufe des Transports und der Lagerung zusammengerüttelt werden, so dass ein noch größerer Luftraum im Karton entsteht und Verbraucher im Supermarkt dann eben doch Packungen mit mehr als 30 Prozent Luft vorfinden. Es ist also nicht verwunderlich, dass wir vor allem zu Waschmitteln besonders viele Beschwerden bekommen.

Gut zu wissen

Bei Waschmitteln sind Jumbopackungen häufig die schlechtere Wahl. Teilweise sind sie weniger konzentriert und haben viele Füllstoffe, so dass pro Waschgang mehr Waschmittel benötigt wird. Das ist eine unnötige Belastung der Umwelt.

Vor allem große Konzerne wie Henkel und Procter & Gamble, die sich auf dem Papier so sehr für Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein stark machen, sind hier unseres Erachtens in der Pflicht. Denn: Durch Luftpackungen werden Ressourcen verschwendet, für den Transport der Produkte wird mehr Platz und damit mehr Kraftstoff benötigt. Und warum sind die Mehl- und Reistüten eigentlich immer voll, Waschmittel aber praktisch immer nur unzureichend befüllt.

Kann man sich gegen „luftige“ Packungen wehren?

Die schwammigen Regelungen sind für Verbraucher ein schwieriges Unterfangen. Wehren können Sie sich trotzdem: Wenn Sie den Verdacht hegen, eine „Luftpackung” gekauft zu haben, senden Sie uns ein Bild des Produkts per E-Mail oder über Facebook zu. Wir werden es einkaufen und bewerten und hier in unserer Bildergalerie veröffentlichen.

Wenn Sie wollen, dass rechtliche Schritte gegen den Hersteller und sein besonders luftig verpacktes Produkt eingeleitet werden, wenden Sie sich an Ihr zuständiges Eichamt, um das Produkt dort überprüfen zu lassen. Gegebenenfalls kann es sinnvoll sein, eine Beschwerdeprobe abzugeben. Ob es zu einer Beanstandung durch das Eichamt kommt, hängt letztendlich von der Art des Produkts bzw. der technischen Füllhöhe ab. Falls tatsächlich ein Verstoß gegen die gesetzlichen Vorgaben vorliegen sollte, wird das Eichamt rechtliche Schritte einleiten.

Was sagen die Gerichte zu Luftpackungen? Vor acht Jahren fällte das Oberlandesgericht Frankfurt ein aus unserer Sicht vollkommen an der Realität vorbeigehendes Urteil, was jedoch heute immer noch Bedeutung hat. Es ließ Herstellern einen sehr weiten Spielraum und erlaubte den Vertrieb einer Gewürzmischung, deren verschweißter Plastikbeutel zur Hälfte mit Luft gefüllt war. Auch eine derartige „halbe Füllmenge“ stelle keinen Wettbewerbsverstoß dar, wenn der Verbraucher sehen oder ertasten könne, dass die Verpackung zu einem erheblichen Anteil nur Luft enthält (Urteil vom 21. Oktober 2008, Az. 14 U 240/07). Wir meinen: Es ist Verbrauchern nicht zuzumuten, jede Packung nach dem Inhalt zu betasten. Abgesehen davon verbessert das sicherlich nicht die Qualität von Chips oder ähnlichen Produkten und kann daher auch nicht im Sinne der Hersteller sein.

Auch der Bundesgerichtshof (BGH) hat eine Klage wegen übergroßen Kosmetikverpackungen nicht im Sinne der Verbraucher entschieden (Urteil des Bundesgerichtshofs vom 11. Oktober 2017, Az. I ZR 78/16). Die obersten Richter hoben ein Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts auf, das der Firma Beiersdorf untersagte, die Gesichtscremes „Nivea Teint Optimal Anti-Age Tagespflege Soja“ und „Nivea Teint Optimal Anti-Age Nachtpflege Soja“ in irreführender Packungsgröße in den Verkehr zu bringen. Nach Auffassung der BGH-Richter werden die Kunden bei den beiden Produkten weder über die Füllmenge noch die Größe des in der Verpackung enthaltenen Tiegels getäuscht: Weitere Infos: Veröffentlichung der Wettbewerbszentrale zum Gerichtsurteil

Was ist mit Unterfüllung?

Auch die Unterfüllung von Verpackungen – das heißt weniger Inhalt als angegeben – ist ein Problem. Doch für die Füllmenge von Fertigpackungen gibt es sogenannte Toleranzgrenzen. Das heißt: Wenn das Gewicht einzelner unterfüllter Packungen durch andere „übergewichtige“ Packungen wieder ausgeglichen wird, kann der Inhalt einer Packung auch geringer ausfallen als angegeben. Eine Fertigpackung mit einer Nennfüllmenge von 1.000 Gramm darf so beispielsweise um bis zu 15 g zu leicht sein, also 985 Gramm auf die Waage bringen. Es gilt das sogenannte Mittelwertsprinzip. Unterfüllte Produkte untersucht ebenfalls Ihr zuständiges Eichamt.

Die Dimension einer systematischen Unterfüllung wird leicht unterschätzt. Dabei kann schon ein Gramm weniger, das den einzelnen Verbraucher kaum stören wird, einen riesigen finanziellen Unterschied machen. So hat ein Schokoladenhersteller zum Beispiel eine tägliche Produktion von 2,5 Millionen 100-Gramm-Tafeln an 200 Arbeitstagen im Jahr. Bei einer Unterfüllung von nur einem Gramm und einem Ladenpreis von 99 Cent zahlen die Verbraucher 5 Millionen Euro zu viel.

Wir fordern die Einführung des Mindestmengenprinzips. Dann müsste jede einzelne Fertigpackung mindestens die angegebene Nennfüllmenge enthalten.


Neuigkeiten zum Thema


 

20. November 2018: Müllflut im Supermarkt

Immer mehr Menschen fragen sich, wie sie weniger Müll produzieren können. Das ist gar nicht so einfach, denn in den Supermarktregalen stehen noch immer übergroße Verpackungen mit wenig Inhalt. Wir haben insgesamt 14 Produkte im Röntengerät durchleuchten lassen. Die meisten waren nicht einmal zur Hälfte befüllt. Unsere Röntgenbilder zeigen: Zahlreiche Verpackungen von Fertiglebensmitteln und Drogerieartikeln enthalten noch immer viel zu viel Luft. Weiterlesen

28. März 2018: Krüger Chai Latte - Luft statt Zucker

Wie macht man mit „weniger Zucker“ mehr Geld? Krüger zeigt uns, wie das geht. Einfach am Instant-Pulver samt Zucker sparen, die sowieso übergroße Packung nicht verkleinern, obwohl noch weniger drin ist und zu guterletzt den Preis beibehalten. Das nennen wir eine tolle Geschäftsidee... Weiterlesen

8. Dezember 2017: Kaufland Keksdose jetzt mit weniger Luft

Erfolg für die Verbraucher: Im Dezember 2016 hatten wir die „Exquisit Gebäckselection“ von Kaufland als Luftpackung entlarvt. 230 Gramm Kekse verloren sich in der „Geschenkdose“, die eine Blistereinlage mit Sockel enthielt, so dass die Dose mit einer Lage Kekse voll erschien. Wir hatten Kaufland deswegen abgemahnt. Die Abmahnung hat Kaufland zwar nicht unterschrieben, aber Verbesserungen in Aussicht gestellt. Und oh Wunder, jetzt passen 400 Gramm in die gleiche Dose – und es ist immer noch genug Platz drin. Das sind fast 75 Prozent mehr Kekse – neue Sorten sind auch dazu gekommen. Der Preis ist mit 3,99 Euro Euro gleichgeblieben. Unterm Strich sind die Kekse jetzt sogar über 40 Prozent günstiger. Geht doch Kaufland! Warum nicht gleich so?

28. April 2017: Oreo Crispy & Thin Luftpackung kaschiert hohen Preis

Oreo hat eine neue Kekssorte kreiert. „Crispy & Thin“ heißt sie und liegt seit einigen Wochen im Supermarkt. Wir meinen: Diese „Produktinnovation“ ist eine echte Mogelpackung! Die Rezeptur ist gegenüber den normalen Oreo-Keksen praktisch unverändert – jeder einzelne Keks ist nur deutlich dünner. Stapelt man den Packungsinhalt übereinander, so sieht man das ganze Ausmaß der Schummelei. Nur die Hälfte der Umverpackung ist mit Keksen befüllt. Insgesamt sind es 16 Kekse mit einem Gewicht von 96 Gramm. Beim „Klassiker“ bekommt man mit 154 Gramm deutlich mehr Keks fürs Geld. Denn: Der Preis für beide Produkte ist im Handel identisch, bei Real kosten die Packungen zum Beispiel 1,69 Euro. Das macht die neue Sorte „Crispy & Thin“ unterm Strich über 60 Prozent teurer. Erkennbar ist diese Trickserei aufgrund der Packungsgestaltung kaum. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

27. Februar 2017: Luftpackung Bensdorp Kakao

Selten haben sich so viele Menschen über ein Produkt bei uns beschwert wie in den letzten Wochen über den „Bensdorp Kakao“ der Firma Stollwerck. Auf unseren Schreibtischen türmen sich die leeren Kartons alter und neuer Kakaoverpackungen. Warum all die Aufregung?

Stollwerk hat die Umverpackung seines Kakaopulvers deutlich – und zwar um 65 % – vergrößert, der Inhalt blieb mit 125 Gramm aber unverändert. Eine echte Luftpackung! Unsere Röntgenbilder zeigen das ganze Elend. In einer Stellungnahme antwortete uns Stollwerck: Die Vergrößerung der Packung sei technisch bedingt. Die alte Verpackung mit einem gefalteten Innenbeutel hätte zu vielen Reklamationen geführt, weil der Kakao zu leicht zwischen Beutel und Schachtel gelangen konnte. Zusätzlich sei der Innenbeutel nun versiegelt. Uns überzeugt diese Antwort nicht vollständig. Wir meinen: In den neuen Beutel würden trotz des neuen Verschlusses noch deutlich mehr Kakao passen.

27. Februar 2017: Kandiszucker in größerer Packung

Die Packung„Brauer Kandis“ der Firma Südzucker AG ist „gewachsen“, obwohl gleich viel drin ist. Der Hersteller antwortete: „Geändert wurde die Größe der „Öffnungs-/Ausschüttlasche“ der Packung. Damit entsprechen wir dem ausdrücklichen Wunsch zahlreicher Verbraucher/-innen, die Packung im Haushalt besser entleeren zu können.“ Diese Argumentation überzeugt uns nicht, denn andere Packungen wie etwa Salz, die auch eine Öffnungslasche haben, sind deutlich besser gefüllt.

8. Dezember 2016: Untersuchung von Luftpackungen mit Röntgenaufnahmen

Lebensmittel- und Kosmetikpackungen sind häufig überdimensioniert und enthalten zu viel Luft. Wir haben in Zusammenarbeit mit dem Eichamt Fellbach stichprobenartig Produkte untersucht, über die sich Verbraucher bei uns beschwert hatten.

Die Röntgenbilder des Eichamtes zeigen eindrucksvoll, wie Verbraucher hinters Licht geführt werden und wie dringend geboten konkrete gesetzliche Regelungen sind. Wir werden prüfen, ob die untersuchten Packungen dem Eichrecht entsprechen.

Durchschnittlich 40 Prozent Luft enthielten die zwölf überprüften Lebensmittelpackungen. Die Spannbreite für den Luftanteil lag zwischen 29 und 49 Prozent. Wir fragen uns, warum bei Risotto-Reis, Falafel-Mehl und Müsli nicht möglich sein soll, was beim Abfüllen von Mehl anscheinend problemlos klappt. Mehl-Tüten werden üblicherweise ohne Luft verkauft.

Bei den Kosmetika-Produkten fielen doppelte Böden und Tiegel mit dicken Wandungen auf. Viele Verbraucher fühlen sich laut einer repräsentativen Befragung der Verbraucherzentralen durch solche Tricks getäuscht (76 Prozent) und wollen – auch aus Umweltschutzgründen – kleinere Verpackungen (80 Prozent).

30. Juni 2015:  Untersuchung mit Röntgenaufnahmen

Verpackte Fertiglebensmittel und Drogerieartikel enthalten häufig mehr Luft als vom Gesetzgeber zugelassen. Das ergab eine Untersuchung, die wir gemeinsam mit dem Eichamt Fellbach im Juni 2015 durchgeführt haben. Bei zwei Dritteln der Produkte, die wir mittels Röntgenstrahlen durchleuchtet haben, wurden die Richtwerte für den Luftanteil überschritten.

Demnach lag der Luftanteil bei 15 der 24 geröntgten Verpackungen über der prinzipiell erlaubten 30-Prozent-Marke. Immerhin sieben Produkte erreichten sogar Werte von mehr als 50 Prozent. Die drei Spitzenreiter der Untersuchung waren mit einem Luftanteil von 68 Prozent ein „Bio-Hagenbutten-Pulver“ der Dr. Groß GmbH, mit 59 Prozent Luft die Geschirrspültabs „Finish XXL Powerball Quantum“ von Reckitt Benckiser und mit ebenfalls 59 Prozent Luftanteil das „Aptamil AR Andickungsmittel“ zur Säuglingsernährung von Milupa. Im Durchschnitt enthielten die 24 Produkte der Stichprobe, über die sich Verbraucher beschwert hatten, 38 Prozent Luft.

1. Juni 2015: Viel Luft, viel Müll und wenig Kaffee in Kaffeekapseln von Lidl

So luftig wie noch nie: 52 Gramm (!) Kaffee in einer Schachtel so voluminös wie ein normales Päckchen Kaffee mit 500 Gramm. Dazu ohne Ende Verpackungsmüll. Deshalb war die Luftpackung mit den Kaffeekapseln Azzurro Lungo „Bellarom” von Lidl unsere Mogelpackung des Monats Juni 2015.

17. April 2015: Luftpackung Cenovis Gemüsebrühe

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Jedenfalls voller Luft. 50 Prozent Luftanteil hat die Gemüsebrühe von Heirler Cenovis.

5. Mai 2011: Wie viel Luft steckt in unseren Verpackungen?

Bei einer Untersuchung im Mai 2011 haben wir festgestellt, dass drei von vier Lebensmittelpackungen zu viel Luft enthalten. Luftanteile von bis zu 90 Prozent konnten wir mit Hilfe von Röntgenaufnahmen aufdecken. Die Untersuchung wurde von der Eichdirektion Nord durchgeführt; die Röntgenbilder hat ein vom Eichamt Fellbach beauftragtes Institut erstellt.

Von 30 untersuchten Proben hatten 23 mehr als 30 Prozent Luftanteil, 9 davon sogar mehr als 60 Prozent. Der Durchschnitt lag bei knapp 52 Prozent. Spitzenreiter war Nimm 2 Lolly von Storck mit 90 Prozent Luft, gefolgt von dem 3er-Pack Fisherman's Friend (88 Prozent) und den Reiskugeln Curry von Maggi mit 75 Prozent, die hier als Röntgenaufnahme zu sehen sind.

Unser Standpunkt

Mal abgesehen davon, dass Sie als Verbraucher beim Einkauf nicht hinters Licht geführt werden sollen, wirken sich Luftpackungen unseres Erachtens negativ auf die Umwelt aus. Ressourcen werden verschwendet, überflüssiger Verpackungsmüll wird produziert und der Transport der Lebensmittel ist weniger effizient. An die Füllmenge angepasste Packungen könnten einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Wir wollen die Hersteller zum Umdenken bewegen.

Ratgeber